1. August bis 27. August 2026
Wir wachen am Morgen mit dem monotonen Tuckern der Lancha 9 de Julho auf. Am Bug des Schiffs, dort wo gestern Abend die Sonne unterging, erhebt sie sich heute über den Horizont. Wie viele Male wir uns wohl während der Nacht in den Schlaufen des Rio Paraguai von West nach Ost und wieder zurück gedreht haben?
Auf dem Fluss ist schon ganz schön was los. Die vielen Hotelschiffe haben ihre Sportfischer ausgesetzt, die nun in kleinen Booten mitten im Fluss sitzen, die Köder im Wasser baden und auf den Fang des Tages warten. Zum Schutz vor Sonne und Moskitos sind sie bis zur Nasenspitze eingehüllt. Wenn’s Spass macht!
Gleich am Morgen legen wir das erste Mal an. Die Bewohner, deren Land in der Regenzeit zur Insel im Fluss wird, freuen sich sichtlich auf die neue Motorsäge, die Aluminium-Türrahmen und mehr. Die junge Mutter strahlt, als sie die schöne blaue Babybadewanne sieht.
Immer mal legt während der Fahrt ein Boot an unserer Seite an, um sich etwas abzuholen. Als unser Beiboot eine Auslieferung übernimmt, darf Marcel zusammen mit den Mitreisenden Sergio und Bruno mitfahren.
Nach soviel Aufregung geht das geruhsame Leben am Bord weiter. Wir setzen uns in unseren Campingstühlen an den Bug des Flosses und lassen die Flussufer des Rio Paraguai an uns vorbeiziehen. Mal sind es Wasserpflanzen, mal Schilf oder aber das saftige Grün der Urwaldriesen, unterbrochen von rosa und leuchtend gelben Blütenbäumen, die wie Feuerwerke herausstechen.
In der zweiten Nacht zweigt die Lancha in den Rio Cuiabá ab. Natürlich verschlafen wir dieses Manöver, aber es hätte auch kaum was zu sehen gegeben. Der neue Fluss zeigt sich mit gleicher Flora, aber mehr Tieren. Neben viele Reihern, Störchen und Eisvögel, sonnen sich Kaimane auf den Sandbänken am Ufer. Ab und zu darf es auch mal eine Capybara Familie sein.
Dann halten wir in Porto Ze Viana, um Waren im grossen Stil abzuliefern. Hier verlassen auch die ersten Passagiere die Lancha. Die Bewohner von den umliegenden Fazendas kommen gleich mit Traktor und Anhänger, um alles Bestellte aufzuladen.
Kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir bereits unser Ziel in Porto Jofre. Das Entladen wird allerdings auf den nächsten Morgen verschoben. Noch einmal gibt es ein einfaches aber feines Nachtessen aus der Bordküche und wir schlafen noch einmal an Bord. Kurz nach Sonnenaufgang kommt Bewegung auf. Die Lancha wechselt ans flache Ufer, die schweren Bohlen werden ausgelegt, und schon rollen wir hinter dem Camper von Sergio von Bord.
Noch trennen wir uns nicht von unseren neu gewonnenen Reisefreunden. Sergio hat einen Stellplatz auf der Pousada Doña Onça und für morgen eine Jaguar Tour gebucht. Zusammen mit dem jungen spanischen Backpacker Bruno dürfen wir uns anschliessen. So sparen wir uns Kosten und Verhandlungen auf portugiesisch. Mit dem Brasilianer Sergio können wir uns auf portuñol unterhalten, zur Not hilft Bruno auf Englisch oder Google.
Es bleibt uns viel Zeit durch Porto Jofre zu streifen. Der Ort liegt im Herzen des Pantanal, dem grössten zusammenhängenden Feuchtgebiets der Welt. Doch wer hier ein touristisches Zentrum erwartet, liegt falsch. Zwei Luxushotels, ein paar Pousadas, ein Airstrip, ein unbefestigter Anlegeplatz am Flussufer. Kein Laden, kein Restaurant, keine Bar, nichts. Nicht einmal eine Zufahrt zu den Pousadas, die den Begriff Weg gerechtfertigt. Dafür ganz viel Natur; Sträucher, Bäume, Blüten in allen Farben und Formen, ein paar gefiederten Freunde und unser erstes Aguti.
Am Abend laden uns Odette und Sergio zu einem feinen brasilianischen Essen vor ihrem Camper ein.
Das Gebiet zwischen den Flüssen Cuiabá, Piquiri und Três Irmãos umfasst den Staatspark Encontro das Águas, der eine hohe Jaguar-Population aufweist. Nach einem frühen Frühstück starten wir zu unserer Flusssafari mit dem Motorboot und erkunden die Buchten und Kanäle des Parks. Dieses Gebiet, bekannt als das „Land der Jaguare“, ist reich an Wildtieren wie Kaimanen, Wasserschweinen, Riesenottern, Hunderten von Vögeln und natürlich den Jaguaren.
Wir haben Glück. Nach der etwas einstündigen Anfahrt lenkt unser Guide Julho das Boot in einen Seitenkanal, wo gerade ein Jaguar ins Wasser steigt. Trotzdem schon mehrere Boote da sind, können wir ihn gut erkennen, bevor er im dichten Ufergras verschwindet. Wenige hundert Meter weiter staut sich eine grosse Menge Boote auf denen überdimensionale Teleobjektive auf das Ufer gerichtet sind. Julho fährt geschickt zwischen die Anderen, sodass wir sie aus nächster Nähe bestens sehen können: Es ist tatsächlich eine ganze Jaguarfamilie. Die Mutter liegt faul auf einem starken Ast, während die beiden ausgewachsenen Jungen um sie herumstreifen. Welch eine wunderbare Szene. Lange beobachten wir die schön gefleckten Raubkatzen, bevor wir uns aus dem dichten Pulk von Touristenbooten befreien.
Sehr zufrieden mit dem bereits Gesehenen, beginnt jetzt erst die eigentliche Entdeckungstour. Unserer erfahrener Guide führt uns immer wieder in kleine Seitenarme, wo eine unglaubliche Vielfalt an Vögeln auf uns wartet. Ein Silberreiher watet im seichten Wasser und hofft auf einen unvorsichtigen Fisch, der Schlangenhalsvogel sitzt mit weit ausgebreiteten Flügeln in den Ästen und trocknet sein Gefieder, zwei Marmorreiher wollen uns ihre verzierte Vorderseite nicht zeigen, der Jaribu steht hoch oben in seinem Nest, ein Paar Glanzvögel mit ihrem metallisch glänzendem Gefieder sitzen auf einem Zweig vor ihrer Höhle und warten auf vorbeifliegende Insekten. Eisvögel, Bussarde, Geier, Chacalacas, Ibise, Enten begleiten unsere Fahrt.
Bei all den gefiederten Freunden bleibt jederzeit die Anspannung auf eine weitere Jaguarsichtung. Es werden insgesamt 9 verschiedene Tiere, die wir entdecken, beziehungsweise unser Guide uns zeigt, schlafend unter dem Gestrüpp, streunend im Ufergras oder sich stolz der grossen Fotografen-Gemeinde präsentierend.
Und dann sind da natürlich noch die unzähligen Yacare-Kaimane. Im Pantanal leben je nach Schätzung über 10 bis 35 Millionen dieser Reptilien. Mit weit geöffneten Mäulern blicken sie uns von jeder Sandbank entgegen und zeigen ihre gefährlichen Zahnreihen. Dies ist aber weniger eine Drohung an uns, als vielmehr um ihre Körpertemperatur zu regulieren und eine Überhitzung zu vermeiden. Touristen stehen nicht auf ihrem Speiseplan so wie auch die Capybaras, die unbekümmert vor ihnen im Fluss schwimmen.
Mit einem Bauch übervoll von Glücksgefühlen machen wir uns nach etwa 7 Stunden auf den Rückweg. So viele Tiere durften wir in ihrem natürlichen Lebensraum erleben. Was jetzt noch fehlt ist die Anakonda! Bootsführer Julho weiss, wo sich diese aufhalten könnte. Aber heute will sie wohl keine Paparazzi sehen. Statt der geheimnisvollen Schlange gibt es vier niedliche kleine Kaiman-Babys zu sehen.
Müde von all den Begegnungen mit der Natur beschliessen wir den Tag. Es ist einer dieser Tage, an denen wir einfach nur dankbar sind, was wir erleben dürfen!
Wir verabschieden uns von unseren Reisefreunden Sergio, Odette und Bruno und machen uns auf die Transpantaneira, die Straße, die das Pantanal in Mato Grosso durchquert. Die staubige Naturstrasse ist von der Vegetation des Pantanal umgeben, dem natürlichen Lebensraum zahlreicher Tiere. Besonders berühmt und berüchtigt ist sie auch wegen ihrer 125 Holzbrücken. Diese sollen teilweise so marode sein, dass man sie besser gut überprüft, bevor man darüberfährt. Wir finden diese aber größtenteils frisch renoviert oder gar durch Betonbrücken ersetzt. Was bleibt ist, dass Sie sich zu Aussichtspunkte verwandeln, von denen aus man die Umgebung besser beobachten kann.
Während wir auf den ersten Kilometern noch Wasserschweine und Dutzende von Reihern, Falken und Eisvögeln sehen, konzentriert sich das im Folgenden auf Kaimanen, die faul unter den Brücken liegen. Vermutlich sind wir zu spät losgefahren und all die Tiere haben sich bereits in den Schatten zurückgezogen. Speziell freuen wir uns daher, als wir in einem Wasserloch einen Maguari-Storch, einen Rosalöffler und einen Seidenreiher sehen, zumal der Reiher gerade versucht, einen Fisch zu verschlingen.
Wir sind im Entdeckermodus unterwegs und kommen somit nur sehr langsam vorwärts. Für die 85 km zur Southwild Lodge brauchen wir fast 5 Stunden. Wir möchten hier gerne auf dem Parkplatz die Nacht verbringen, wie andere vor uns. Leider lässt die Geschäftsleitung keine Übernachtung mehr zu. Die US orientierte Lodge hat wohl Sicherheitsbedenken. An der Ozelot Tour dürfen wir aber gerne teilnehmen. Ein kurzer Weg in den nahen Wald führt uns zu einer kleinen Bühne. Hier sitzen die Tierbeobachter mit ihren riesigen Kameras und warten. Ein Guide hat bereits Futter ausgelegt. Nachdem es endlich ruhig wird, kommt tatsächlich die wunderschön gezeichnete Wildkatze aus dem Dickicht. Die Kameras klicken um die Wette. Fasziniert beobachten wir den Ozelot, auch wenn die Begegnung nicht ganz zufällig ist.
Die nächste Etappe bringt uns weitere 50 km nördlich auf der Transpantaneira. Das Feuchtgebiet wird hier vermehrt für Viehwirtschaft genutzt. So müssen wir schon mal die Strasse mit einer Viehherde teilen. Dass sich an den verbleibenden Wasserlöchern die Kaimane häufen, scheint die Kühe nicht zu stören.
Wir biegen ab zur Pousada Portal Paraíso. Mateus hat einen Campingplatz für Overlander eingerichtet, sogar mit Pool und Aussichtsturm. Am späteren Nachmittag nehmen wir an seiner Jeep Safari teil. Querfeldein fährt er durch sein Land auf der Suche nach Tieren, speziell dem Tapir. Schnell finden wir Kaimane in grosser Zahl, die in friedlicher Gemeinschaft mit den Capybaras am Wasserloch sitzen. Bewegende Äste in den hohen Bäumen weisen auf Affen hin.
Während alle erwartungsvoll die Büsche observieren auf der Suche nach dem Tapir, schrecken wir einen Jaguar auf. Er verlässt sein schattiges Plätzchen und läuft an uns in den Wald. Später stellt sich heraus, dass die etwa 3 Jahre alte Raubkatze in dieser Gegend noch nie gesehen wurde.
Auf der weiteren Fahrt sehen wir in der Ferne ein Rudel Wildschweine und aus nächster Nähe ein junges Gürteltier. Der Guide nimmt den Kleinen gleich in die Hand und zeigt ihn uns im Detail. Nach dem goldenen Sonnenuntergang wird es schnell dunkel. Wir sind bereits auf dem Rückweg, als sich im Gebüsch schnell, aber gut erkennbar, ein Ozelot zeigt. Im Scheinwerferlicht finden wir schlussendlich auch noch den Tapir. Doch er ist weit weg, zu weit.
Auf der Nachtsafari im Anschluss leuchtet der Guide mit einem starken Scheinwerfer wild in der Dunkelheit herum. Eher zufällig entdeckt er so ein paar Füchse und Hasen. Und dann, kaum zu glauben, kreuzt der Jaguar wieder unseren Weg. Doch halt, diesem Tier fehlen die Flecken im Fell und auch die Gestalt ist unterschiedlich. Tatsächlich ist es ein Puma, der in diesem Gebiet nur sehr selten anzutreffen ist.
Neben den Tapiren ist Mateus auch stolz auf die Ameisenbären auf dem Gebiet seiner Fazenda. Es ist noch dunkel, als wir mit ihm losfahren zur Ameisenwiese. Lange streifen wir mit wachsamen Augen am Feld mit den unzähligen Termitenhügel entlang, aber keines der eigenartigen Tiere lässt sich sehen. Also fahren wir mit Rocky direkt an das Feld und beobachten am Abend spät und Morgen früh. Leider wieder ohne Erfolg. Da bleibt die Hoffnung später auf der Ameisenbär Strasse einen zu entdecken.
Gleich nach der Pousada fahren wir durch das berühmte Portal der Estrada Transpantaneira. Der Fotostop ist obligatorisch. Vor Poconé gibt es nach 142 km endlich wieder Asphalt unter die Räder. Etwas neue Luft in die Reifen und die Fahrt wird wieder ruhiger und vor allen staubfrei.
Während die Woche im Pantanal die Speicherkarten unsere Kameras gefüllt hat, gähnt in der Vorratsbox und dem Kühlschrank zusehends eine gewisse Leere. Wir konnten zwar auf der Farm Fleisch kaufen, Früchte, Gemüse und Käse wurden aber nirgends angeboten. In der Grossstadt Cuiabá schaffen wir Abhilfe. Das umfangreiche Angebot im Supermercado BigLar Miguel Sutil lässt den Einkaufswagen etwas voller werden als vorgesehen, wobei wir aufgrund der hohen Temperaturen auf den Kauf von Fondue verzichten. Schokolade schmilzt auch so.
Es gibt interessantere Strecken als die Autobahn von Cuiabá nach Süden. Die überdimensionalen Agrarflächen sind meist abgeerntet und höchstens von ein paar Nandus bevölkert. Zumindest ist die Strasse breit und gut, sodass sich die 9achsigen Riesenlastwagen gut überholen lassen, wenn sie im Schritttempo einen Hügel hinaufkriechen. Dass diese bergab wieder zügig an uns vorbeirauschen, sind wir uns nach über 2 Monaten Brasilien gewohnt.
Wie gut tut da der kurze Aufenthalt im Refugio Santa Teresa. Der geschmackvoll eingerichtete Platz liegt idyllisch am Rio Verde, abseits der hektischen Strasse. Im erfrischenden Wasser lässt sich gut entspannen. Das Plätschern des Flusses übertönt den restlichen Lärm der Strasse und lässt uns ruhig schlafen.
Es ist heiss, 38.5 °C. Wir stehen im Schatten eines grossen Baumes und warten auf etwas Linderung am Nachmittag. Langsam rollen wir auf der roten, staubigen Piste entlang, eingerahmt vom Grün der Büsche und Bäume, die die riesigen, steppenartigen Viehweiden von der Strasse trennen. Wir sind auf der BR/MS 419, allgemein bekannt als Anteater Road. Werden wir die Ameisenbären hier entdecken? Gespannt halten wir Ausschau nach Tieren. Neben der Strasse gibt es immer wieder Wasserlöcher, an denen sich Kühe laben. Viele Capybaras tummeln sich in sumpfigen Abschnitten oder deren Nähe. Verständlich, bei den Temperaturen. Wasservögel, Jaribu, Reiher, Rosalöffler aber auch Papageien erfreuen uns. Bussarde sitzen auf den Zaunpfählen und drehen uns ihren Kopf zu. Auch die wackelig scheinenden Holzbrücken sind wieder da und darunter auch immer mal ein Kaiman.
Doch dann, ein dunkler Schatten hinter einer Kuh entpuppt sich als Ameisenbär. Fast hätten wir ihn übersehen. Unweit der Strasse können wir ihn lange beobachten. Ein eigenartiges Tier, der Tamanduá-bandeira, wie in die Brasilianer nennen. Mit seinem langen schmalen Kopf sieht er aus als hätte er fünf Beine. Wir sind entzückt.
Selbstredend schauen wir jetzt noch intensiver hinter jeden Busch, hinter jede Kuh. Und davon gibt es hier beileibe genug. Immer mal wieder halten wir an, um dann zu erkennen, dass uns ein verkohlter Baumstrunk in die Irre geleitet hat. Einige Kilometer und etliche tausend Kühe weiter bewegt sich etwas Dunkles im Gestrüpp am Strassenrand. Bald stellen wir mit Freuden fest, dass es eine Ameisenbär-Dame ist, die ihr Junges auf dem Rücken trägt. Das Jungtier klettert kurz nach der Geburt selbstständig auf den Rücken der Mutter und lässt sich dort die ersten sechs bis neun Monate herumtragen. Nur zum Trinken steigt das Kleine ab. Die Mutter hält uns einige Zeit zum Narren, läuft immer auf und ab und verschwindet dann über die Strasse ins Dickicht.
Wir können unser Glück kaum fassen, fahren noch einige Zeit, sehen immer mehr Tiere und stellen uns dann für die Nacht an den Strassenrand. Der Verkehr hält sich in Grenzen und der leichte Wind weht den Staub auf die andere Strassenseite. Spontan entscheiden wir, morgen umzudrehen und die Strecke noch ein weiteres Mal zu fahren.
Früh geht’s los. Viele Rehe und Hirsche mit ihren stolzen Geweihen äsen zwischen geschätzten 1 Million Kühen. Auch Gruppen von Nandus sind öfter zu sehen. Ein Fuchs schnürt vorbei. Weit vorne auf der Piste sehen wir einen schwarzen Punkt. Vermutlich ein Rind das aus der Weide ausgebrochen ist. Vorsichtshalber halten wir an und konsultieren die Lage erst mit dem Fernrohr. Wir erkennen ein Tapir, das uns entgegenläuft. Es kreuzt die Strasse mehrmals, zeigt sich so von allen Seiten, bis es sich 20 Meter vor uns ins Gebüsch davon macht.
Auf ein Tapir waren wir nun gar nicht eingestellt. Und es sollte noch besser kommen. Ein paar Wasserlöcher weiter genießt ein Tapir das kühle Nass. Das schwere Wildtier mit dem kurzen Rüssel schaut uns an um dann abzutauchen. Wir zählen und schauen wie lange es wohl tauchen kann. Zu unserem Erstaunen geht’s recht lange, bis es wieder auftaucht. Unser weiteres Highlight.
Zur Tagesmitte suchen wir uns, wie die meisten Tiere, möglichst viel Schatten für eine ausgiebige Siesta. Einzig ein Nasenbär sucht raschelnd neben unserem Fahrzeug nach Nahrung. Dann geht die Safari weiter. Wildschweine ziehen entlang der Strasse, um nach einem Blick auf Rocky schnell im Unterholz zu verschwinden. Ein Gürteltier kreuzt die Strasse. Immer mal wieder stoppen wir und schauen und genießen Fauna und Flora. Die Sonne steht schon tief, als nur ein paar Meter von uns ein weiterer Ameisenbär durch das Gras streift. Ob er uns wahr nimmt? Auf jeden Fall lässt er sich nichts anmerken. Obwohl landwirtschaftlich genutzt, begeistert uns dieses Fleckchen Erde nicht zuletzt wegen der farbig blühenden Bäume in weiss, gelb, rosa, violett. All dies haben wir auf der Transpantanera erwartet. Nun ist es doppelt schön hier diese Tierwelt zu genießen.
Nach den letzten staubigen und heissen Tagen suchen wir uns zum Hochzeitstag einen Platz mit Pool. Nach den intensiven Tagen in der Natur erfüllt die Posada de Serra zwar nicht ganz unsere Erwartungen, aber zum Erfrischen reicht es allemal. Gerade wollen wir zum Apero anstossen, da läuft gleich neben dem Auto ein Ameisenbär vorbei. So was.
Wir schwelgen noch immer in den vielen Begegnungen im Pantanal. Unsere Erwartungen waren gross und haben sich voll erfüllt. Auf der Fazenda Iguaçu westlich von Bonito gönnen wir uns ein paar Tage Pause um das Erlebte zu verarbeiten. Der landwirtschaftliche Betrieb ist dazu ideal. Während dem Tage besuchen uns Aras, Tukane, Arassaris, Jays, Hokkos, Serimas und viele mehr. Tanagers und ein Trupial picken die Insekten von Rocky, die Kuh findet das beste Gras unter dem Fahrzeug und die Katze holt ihre Streicheleinheiten ab.
Am nahen Bach lässt sich ausgiebig spazieren. Romantisch fällt das Wasser über die Kaskaden. Einige Bäume wachsen wie Zapfenzieher, andere umarmen sich gar. Erstaunlich, wie unterschiedlich ihre Rinden sind. Und erst die Samen am Boden! Was war den das? Da hüpft doch gerade ein kleiner Frosch davon.
Von den vielen Naturstrassen der letzten Tage hat sich viel Staub in unserem Haus angesammelt. Den wollen wir hier wieder aussetzen. Dabei können gleich noch ein paar kleine Reparaturen erledigt werden. Als Marcel jedoch den Wasserhahn in der Küche richten will, halten die Dichtungen nicht mehr und Wasser tritt aus dem Sockel. Blöderweise ist das auch der Fall, wenn irgend ein anderer Wasserhahn im Fahrzeug geöffnet wird und die Pumpe einschaltet. In Bonito suchen wir eine neue Armatur, doch das ist gar nicht so einfach. In Brasilien ist ein einfacher Kaltwasserhahn Standard. Wir benötigen aber einen drehbaren Mischhahn. Zum Glück begleitet uns Marc von der Fazenda und hilft uns im Laden einen passenden zu finden. Die Installation ist etwas knifflig, vor allem wegen der doch sehr engen Platzverhältnisse. Aber alles passt und so haben wir bald wieder Wasser in unsere Küche.
Wasser ist auch Grundlage für den Ecotourismus um Bonito. Die Region liegt am Fuss der Serra da Bodoquena, einem Bergzug aus Kalkstein. Dieses Gestein filtert das Regenwasser auf seinem Weg durch den Untergrund und bindet die Schwebstoffe, sodass das Wasser an den Quellen in einer Klarheit wieder austritt, die man sonst kaum irgendwo findet.
Wir buchen eine Schnorcheltour auf dem Rio Sucuri. Der Zauber beginnt mit einer 1300 Meter langen Fahrt flussaufwärts in einem leisen Elektroboot. Kräftiges Grün am Flussufer spiegelt sich im blau schimmernden Wasser. Von einer schwimmenden Plattform geht’s ins frische Nass. Ausgerüstet mit Neoprenanzug, Taucherbrille und Schnorchel schweben wir wie in einem Aquarium durch glasklares Wasser. Umringt von unzähligen exotischen Fischen wie Pacús, Dourados, Carás oder Piraputangas lassen wir uns einfach treiben. Schneckenhäuser leuchten weiss am Boden wie an einem Korallenstrand. Wiesen von Unterwasserpflanzen wiegen in der Strömung, versunkene Baumstämme lassen dich den Bauch einziehen. Unter Wasser sieht alles sehr nahe aus, aber es ist genügend Tiefe vorhanden. Eine ganz neue Art des Schnorchelns offenbart sich uns. Nach über einer Stunde treiben durch unzählige Windungen verabschieden wir uns wieder von dem jungen Fluss und seinen Fischen.
Der Ort Bonito, „schön“, selbst trägt diesen Namen leider nicht zurecht. In der schachbrettartig angelegten Kleinstadt gibt es eine Touristenstrasse mit Geschäften, Restaurants und Eisdielen, in der sich nett bummeln lässt. Eigentlich nichts Besonderes. Eine Sehenswürdigkeit innerhalb der Ortschaft sind höchstens die zwei grossen Flussfische auf der Praça da Liberdade. Sie stellen das Wappentier der Region dar, den Piraputanga, eine Salmlerart.
Ein Besuch in Bonito soll hingegen ohne ein Essen im Juanita undenkbar sein. Das Restaurant ist in der gesamten Region berühmt dafür, die beste hausgemachte Küche in Mato Grosso do Sul zu servieren. Also nichts wie hin. In der originell dekorierten Gaststube wird uns eine Speisekarte mit einzigartigen und exklusiven Gerichten präsentiert. Gegrillter Pacu mit Kapern, Lambe Dedo Garnelen, Alligatorschwanzfilet in geklärter Butter. Wir bestellen ein Pirarucu na Telha, ein gegrilltes Fischfilet mit frischen Tomaten, Zwiebeln, sowie grünen, gelben und roten Peperoni. Als Beilage gibt es Reis, knusprige Süßkartoffeln und Kochbanane Farofa. Es mundet herrlich und die Portionen sind wieder einmal viel zu gross, sodass für das angepriesene Dessert kein Platz mehr bleibt.
Die Hauptattraktionen des Campingplatzes Rio Formoso ist der exklusive Zugang zum gleichnamigen Fluss. Bevor wir aber zum Fluss gehen, müssen wir uns erst einer Horde Kapuzineraffen wehren, die sich exklusiven Zugang zu Rocky verschaffen wollen. Der vorwitzigste war wohl schon drin.
Als alles affendicht verschlossen ist, machen wir uns auf den etwa 200 Meter langen Pfad zu den Plattformen, von denen aus man ins klare Wasser eintauchen kann. Dieses ist allerdings nicht mehr so glasklar wie im Rio Sucuri, der einige Kilometer weiter oben in den Rio Formoso mündet. Dafür gibt es ein natürliches Schwimmbecken vor einem kleinen Wasserfall und einen weiteren Pool zum Schwimmen mit den Piraputanga. Die Fische lassen sich von der Anwesenheit der Menschen kaum stören.
Gegen Abend gibt es dann noch eine tierische Überraschung, als sich eine Handvoll rot-grüner Araras lautstark auf einem Baum zum Fressen niederlassen.
Diese Aras sollen denn auch unsere nächste Attraktion sein. Um früh vor Ort zu sein, dann wenn die Vögel ihre Nester verlassen, übernachten wir im Camping Seu Assis mit Zugang zum Rio da Prata. Der Fluss ist hier gerademal so klar, dass sich die zutraulichen Fische gut erkennen lassen. Zu Bade ladet er auch wegen kalter Luft nicht ein. Dafür gibt es auf dem ruhigen Platz – wir sind wieder einmal alleine – ein Aguti zusehen und in den Ästen neben schnatternden Gelbflügelsittichen ein Blauscheiteltrogon Paar mit ihren leuchtend roten Bäuchen.
Wieder Am Morgen grüssen uns zwei freundliche Riesentukane auf dem Weg zur Doline Buraco dos Araras, dem Papageien-Loch. Sie ist 105 Meter tief und hat einen gewaltigen Durchmesser von 295 Metern. Die Farbe der Felswände und die einheimische Vegetation bilden einen wunderschönen Kontrast in Rot und Grün. Hier leben etwa 120 Grünflügelaras, die im Krater nisten und umherfliegen. Die farbenprächtigen Papageien sind eigentlich rot mit blauen Federn an den Flügelrändern und am Schwanz. Nur die mittleren Flügeldecken sind grün. An der Aussichtsplattform angekommen dauert es nicht lange, bis wir die ersten Aras sehen. Sie stürzten sich in die Doline und lassen sich auf Ästen nieder, die von den Wänden herabhängen. Ein Paar der monogamen Vögel bleibt in der Spitze eines nahegelegenen Baumes sitzen und zeigt sich sehr zärtlich zueinander.
Neben den Aras leben auch Weisshalsibise im Senkloch, die ab und zu laut schreiend losfliegen. Doch das markante Bild wird vom leuchtenden Rot der im Schwarm fliegenden Aras dominiert. Überrascht entdecken wir plötzlich einen Gelbbrustara, der zusammen mit seinem rotgrünen Partner einfliegt. Unser Guide klärt uns auf, dass das seltene Paar schon länger zusammen in der Doline lebt. Ihr Nachwuchs soll eine leicht orangene Färbung aufweisen. Patchwork in der Tierwelt.
Unsere Aufenthaltsbewilligung in Brasilien läuft aus. In Ponta Porá überqueren wir nach 90 Tagen die Grenze nach Paraguay. In der kurzen Zeit konnten wir nur einen kleinen Teil dieses riesengrosse südamerikanische Lands erleben. Doch der war sehr abwechslungsreich und spannend mit viel Natur, Geschichte und vielen offenen, warmherzig und interessierten Bewohnern. Wir kommen wieder.

01.07.2026 -31.07.2026

Es muss heissen Loki und Erika, autotext Korrektur sei Dank.
Hallo Moni, hallo Erika,
Es ist schön, eure Abenteuer mit zu erleben. Jeden Monat warten wir jeweils gespannt auf die nächste Episode. Man bekommt jedes Mal das Gefühl live dabei zu sein.
Geniesst die Zeit.
Liebe Grüsse
Mac und Maria
I am so happy for the two of you. You are living an incredible life . Thank you for sharing ❤️