01. August bis 29. August 2025
Kurvenreich fahren wir von über 3’000 Meter Höhe hinunter auf unter 500. Wir verlassen den Nebelwald und befinden uns in Kakaoplantagen. Die Kakaobohnen werden direkt auf dem Asphalt am Strassenrand getrocknet. Hier haben wohl auch die Schockobananen ihren Ursprung, sind doch zwischen den Kakaobäumen immer mal wieder Bananenstauden zu sehen.
Weiter geht es dem Pazifik entgegen. Trockene Maisfelder überziehen die umliegenden Hügel. Dazwischen die Ciénaga de La Segua, ein sumpfiges Naturschutzgebiet mit Wasservögel. Plantagen mit Dragonfrucht, Kakteen und Bambushütten lassen Erinnerung an Südostasien aufkommen. Die Verkäufer am Strassenrand bieten nun nicht mehr Kokosnüsse, Mandarinen und Ananas an, sondern Krebse, Maistortillas, Wassermelonen und Kürbisse.
Nach den durchgetakten Tagen auf Galapagos und im Amazonas freuen wir uns, wieder gemächlich unser Reiseleben zu genießen. In Marianita, etwas südlich von Manta, finden ein ruhiges Plätzchen etwas erhöht über dem Meer. Neben dem Arbeiten am Blogg finden wir viel Zeit, Pelikane zu bewundern, die im Sturzflug ihre Mahlzeiten aus den Wellen fischen. Wir beobachten die Surfer und Wellenreiter und schauen den kleinen Fischerbooten nach, die ihre Fänge dem grösseren Crawler direkt im Meer übergeben. Vor allem aber halten wir Ausschau nach den unzähligen Buckelwalen, die hier vor der Küste schwimmen. Eine Wasserfontäne hier, ein Rücken dort. Einer klatscht mit dem Schwanz aufs Wasser, der andere winkt uns mit der Flosse zu. Die Schwanzflosse hoch aus dem Wasser verabschiedet er sich, bevor es in die Tiefe geht.
Los Frailes, eine schöne Bucht eingerahmt von Felsen, wird von den Einheimischen gerne besucht. Aufgrund der Korallenriffe in Küstennähe ist es einer der wenigen Strände auf dem ecuadorianischen Festland mit hellerem Sand und klarem Wasser. Im Machalilla-Nationalpark gelegen, achten die Ranger sehr darauf, dass kein Abfall liegen bleibt. Wir haben Glück, es nieselt leicht und somit ist der beliebte Strand nicht zu voll.
Fischern zufolge heißt die Gegend Los Frailes, weil die Ovo Fraile (Pflaumenpflanze) in dieser Gegend einst in großen Mengen reifte. Mit der Zeit starben diese Bäume aufgrund übermäßiger Trockenheit ab. Andere behaupten, dass die Spanier mit ihrer Ankunft die Fraile als Bauholz für den Bootsbau verwendeten.
Die Buckelwale kommen jedes Jahr von Juni bis September aus der Antarktis in die ecuadorianischen Hoheitsgewässer, um sich zu paaren und ihre Kälber zur Welt zu bringen. Als wir auf der Halbinsel Islamar ankommen, lassen sich Pelikane und Fregattvögel im Aufwind in die Höhe tragen. Unter uns tummeln sich Wale in der Bucht, zeigen aber meist nur kurz ihre Anwesenheit. Mehr als ein halbes Dutzend Touristenboote ändern umgehend ihre Richtung und jagen den Walen hinterher. Die moderne Art der Waljagd? Auch wenn die Touristen nur mit Kameras auf sie zielen, so glauben wir nicht, dass sich die riesigen Meeressäuger ob der aufdringlichen Verfolger wohl fühlen. Wir bleiben einige Tage und freuen uns auf unserem Hochsitz über den Klippen an jedem Lebenszeichen der Wale. Besondere Aufregung herrscht, wenn eine Gruppe direkt vor uns durch die Meerenge vor der Isla Salango schwimmt und ihre Sprungkünste zum Besten gibt.
Dann erleben wir einen emotionalen Krimi. Wir sitzen noch beim zweiten Kaffee, als unser Gastgeber Jan und seine Frau Sarita aufgeregt aufs Meer hinunterblicken und telefonieren. Gleich unter uns hat sich ein Wal in einem Fischernetz verfangen. Seit über einer Stunde wartet Jan darauf, dass Hilfe kommt. Nichts tut sich. Touristen Boote fahren in die Nähe, drehen aber unverrichteter Dinge ab. Unglaublich. Trotz der Brandung hören wir die verzweifelten Schreie des leidenden Tieres. Wann kommt nur die angeforderte Hilfe?
Und dann nach über zwei Stunden langem Warten kommen die Boote vom Naturreservat. Mit langen Stangen versuchen sie die Befreiung. Immer wieder taucht das arme Tier auf, bläst eine Fontäne in die Luft und schreit. Ein Schnorchler steigt ins Wasser und versucht von da aus das Netz zu lösen. Nach weiteren zwei Stunden ist der Wal endlich frei. Das Netz wird eingesammelt und die erfolgreiche Mannschaft zieht ab. Danke, ihr habt nicht nur den Wal sondern auch unseren Tag gerettet.
Erstaunliche Veränderungen der Natur zeigen sich auf der Weiterfahrt der Küste entlang nach Süden. Fuhren wir eben noch durch Trockenwald mit vielen Büschen, so weichen dieser innert weniger Kilometer den riesigen Bäumen eines dichten Nebelwaldes. Vor Salinas ist dann alles wüstenartig trocken und staubig kahl. Wasser gibt es hier vor allem in riesigen Wasserbecken. Im grossen Stil werden darin Garnelen gezüchtet für den Export in alle Welt. Schade haben wir gerade gegessen, sonst hätten wir bestimmt eines der viele Restaurants angesteuert.
Salinas ist einer der nächstgelegenen Ferienorte zur Großstadt Guayaquil. Seine breiten Strände sind voll mit bunten Sonnenschirmen, Familien geniessen die Sonne und spielen im Sand. Die parallel zur Promenade verlaufende Strasse ist entsprechend zu parkiert.
Doch genau da müssen wir durch, denn wir wollen zur La Chocoletera. Hier gibt es weder Schokolade noch irgend ein historisches Gebäude, es ist ganz einfach der westlichste Punkt auf dem ecuadorianischen Festland. Verschiedene Aussichtspunkte sind mit einem kurzen Wanderweg verbunden: Am El Soplador geben die Wellen ein Geräusch ähnlich dem eines Wals von sich, wenn sie gegen die Felsen schlagen, sogar eine Wasserfontäne bildet sich; Bei La Chocolatera treffen die Wellen von zwei Meeresströmungen aufeinander. Es rumpelt und spitzt kräftig, das Wasser wirbelt und bricht mal weiß, mal schokoladenfarben (aufgrund des schwärzlichen Sandes der Gegend), wenn es auf das erste Hindernis an der ecuadorianischen Küste trifft; El Faro leuchtet in der Nacht weit ins dunkle Meer hinaus; Und schließlich La Puntilla mit dem roten Markstein, von dem aus das Seegebiet des Landes gemessen wird. Vom Hügel El Morro aus betrachten wir das Ganze abschließend aus der Vogel Perspektive.
Viele Personenwagen kommen uns entgegen, während wir auf unserer Spur fast alleine sind: Es ist Sonntag, Guayaquil fährt an den Strand. Guayaquil soll nicht besonders viel zu bieten haben. Zudem sind Auseinandersetzungen zwischen Banden nichts Aussergewöhnliches. So fahren wir einmal gerade durch, weil es keine Umfahrungsstrasse gibt. Den Kordilleren entgegen liegen Bananenfelder so weit das Auge reicht. Einmal mehr steht Chiquita, Dole und Del Monte an den Toren! Unterbrochen werden die Felder nur von kleinen Siedlungen und Flugplätzen mit Sprühflugzeugen.
Es kommt was kommen muss in Ecuador; die Strasse steigt in Serpentinen steil an. Anstelle der erwarteten weiten Aussicht, umschließt uns plötzlich dichter Nebel. Doch gegen Abend setzt sich die Sonne durch und wir erleben einen romantischen Sonnenuntergang im Nebel.
Ingapirca bedeutet in der Sprache der Quichua „Steinmauer der Inka». Doch als wir in Ingapirca ankommen sind von der Mauer nur noch Ruinen und von den kriegerischen Inkas ihre friedliebenden Nachfahren übrig geblieben. Der Ursprung der bedeutendsten archäologische Stätte Ecuadors geht gar auf die Zeit vor den Inkas zurück. Damals wurde dieses Gebiet von den Cañari bewohnt, einem kriegerischen und mutigen Stamm, der Gegenseitigkeit praktizierte. Später, nach der Invasion der Inka, errichteten sie ein religiöses Zentrum zur Verehrung des Sonnengottes für die Inkas und Cañaris. Vor allem aber diente es als astronomische Beobachtungsstation für die Bewegung von Sonne und Mond, die hier in der Nähe des Äquators besonders wertvoll war. Leider sind über die Jahrhunderte immer wieder Steine des Inkatempels von der Bevölkerung zum Hausbau verwendet worden, sodass heute nur noch ein Teil der Anlage erhalten ist.
Wir werden von Guide Leo durch gut gepflegte Überreste von Gebäuden, Treppen, Ritualbäder und Wasserkanäle geführt. Auch ein Teil des Inka Pfades, der bis nach Quito führte, existiert noch. An einem Abhang in der Nähe des Komplexes treffen wir dann doch noch einen Inka an. Die „Cara del Inca”, das Gesicht des Inka, eine natürliche Felsformation mit menschlichen Zügen, beobachtet uns, während wir atemlos den steilen Weg hochsteigen.
Besonderen Spass macht uns dann auch die Übernachtung auf dem Parkplatz der Kultstätte, auf dem wir mit ausdrücklicher Genehmigung stehen dürfen. Um halb elf Uhr nachts verwandelt sich der ebene Platz in ein aktives Fussballfeld. Das Rocky mittendrin steht, scheint die Gruppe von Einheimischen nicht weiter zu stören.
Der Sangay ist unsere letzte Möglichkeit, im Land der Vulkane einen feuerspeienden Berg zu sehen. Der Feuerberg ist einer der aktivsten Ecuadors. Er liegt isoliert östlich des Andenkamms und ragt mit seiner perfekten steilen Kegelform und seinem gletscherbedeckten Gipfel majestätisch 5230 m über den Amazonas-Regenwald empor. Aufgrund seiner permanenten vulkanischen Aktivität mit Eruptionen und glühenden Lavaströmen ist er uns eine Reise wert. Dies bedeutet aber, dass wir einmal mehr einen Andenkamm überqueren dürfen.
Eine gut ausgebaute, asphaltierte Strasse mit einigen abenteuerlichen Abschnitten führt hoch hinauf in die Wolken. Wie in Ecuador üblich, werden Problemzonen beim Strassenbau wie permanente Rutschungen oder steile Felswände einfach mal ausgespart. Dort gibt es dann vorerst nur einen mehr oder weniger löchrigen, schmalen Naturpfad. Auf irgendwelche Warnhinweise wird meistens verzichtet, man sieht es ja. Allenfalls gibt es ein Schild mit der Aufschrift: «Halbe Strasse, jetzt Geschwindigkeit reduzieren».
Die Wolken machen uns mehr Sorgen als die Strasse. Wird sich der Sangay zeigen? Werden wir sogar eine seiner häufigen Eruptionen sehen? Unsere Ankunft am Aussichtspunkt Mirador Loma del Tigrillo verheisst nichts Gutes; es regnet in Strömen. Doch der Wettergott hat ein Einsehen. Die Wolken lösen sich ein wenig auf und erlaubt und einen kurzen Blick auf den Sangay. Das war es dann leider auch schon. Wir bleiben die Nacht und beobachten den Vulkan mit der Kamera. Aber er will sich nicht mehr sehen lassen. Keine Eruptionen, kein Feuer, kein Vulkan.
Und auch die Rückfahrt über die Kordillere wird neblig und nass. Wenn wir schon die Umgebung nicht sehen können, so sorgen doch die «abenteuerlichen Strassenabschnitte» für Spannung und Abwechslung. Durch einen neueren Murgang wird es einmal ziemlich eng, vielleicht muss hier ein Bagger einmal etwas nacharbeiten.
Zurück im Hochtal – noch immer auf 3’000 m Höhe – lohnt ein Stopp in Guamote. Immer donnerstags kommen die Bewohner aus den umliegenden Dörfern mit voll bepackten Fahrzeugen zum farbenfrohen Markt. Es gibt fast nichts, was hier nicht gehandelt wird. Auch hier ist die Maßeinheit nicht Kilo oder Liter, sondern 1 Dollar. 10 Tomaten = 1$, 5 Fische = 1$ und wo wir bis jetzt meist 7 Mandarinen für 1$ erhalten haben, gibt es hier gleich deren 40 Stück. Wir lassen uns durch die vollen Gassen schieben und kommen uns in all der Vielfalt an indianischen Trachten fast ein wenig fremd vor.
Das größte Hindernis für das transandine Eisenbahnprojekt von Guayaquil nach Quito war die Teufelsnase Nariz del Diablo, ein Berg mit fast senkrechten Wänden. Um dieses Hindernis zu überwinden, wurde zwischen 1899 und 1902 eine schwindelerregende Zickzackstrecke gebaut, die bis heute eine beeindruckende Ingenieursleistung darstellt. Der Zug fährt so weit hinunter, wie es der Bergkamm zulässt. Dort wird eine Weiche gestellt und der Zug fährt rückwärts ein weiteres Stück hinunter, bis er den Fuß des Berges erreicht, wo er abermals die Fahrtrichtung ändert.
Fünf Jahre nach der Einstellung des Betriebs der ecuadorianischen Eisenbahn ist der Teufelsnasenzug auf einer nur 12 Kilometer langen Strecke zwischen Alausí und Sibambe wieder in Betrieb. Natürlich wollen wir damit fahren, die weinigen Plätze sind aber auf Tage hinaus ausgebucht. So bleibt uns nichts als den Zug erst mal im Ausgangsbahnhof Alausi zu bewundern, wo die Gäste wortwörtlich mit Pauken und Trompeten empfangen werden.
Vom Mirador Nariz del Diablo aus lässt sich der Zug ausgezeichnet beobachten, wenn er durch die Zickzackstrecke fährt. Wir wollen ihn auch in der Station Sibambe sehen, was natürlich bedeutet, dass wir all die vielen Höhenmeter zu Fuss bewältigen müssen. Die artistisch in den steilen Abhang gebauten über 900 Treppenstufen münden leider weit vor dem Talboden in einen rutschigen, nicht minder steilen Kletterpfad, der alles von uns abverlangt. Aber wir schaffen es unversehrt und können den Zug zusammen mit den Einheimischen und ihren Lamas bei der Einfahrt in Sibambe begrüssen.
Und dann müssen wir wieder hinauf. Ach hätten wir doch Zugtickets für den Weg nach oben!
Santa Ana de los Cuatro Ríos de Cuenca, oder einfach Cuenca hat wieder einmal viel koloniales Flair zu bieten. Kleine Häuser entlang den Strassenzügen zum Zentrum, herrschaftliche mit mehreren Stockwerken in der Innenstadt. Wir ziehen durch die malerischen Straßen und Plätze und bestaunen am Parque Calderón die alte Kathedrale „El Sagrario“, die gegenüber der neuen Kathedrale „Catedral de la Inmaculada Concepción“ steht. Die riesigen Kuppeln der „Neue Kathedrale“ mit ihren himmelblauen Ziegeln sind von überall in Cuenca aus sichtbar. Und wenn es so aussieht, als seien die Glockentürme etwas niedrig, dann liegt das daran, dass sie es auch sind; ein Konstruktionsfehler im Fundament machte es unmöglich, die vorgesehene Höhe der Glockentürme zu tragen. Aber ein paar Besucher mögen sie trotzdem tragen. Und so steigen wir die Wendeltreppe hinauf und betrachten die Stadt von Dach der Kirche.
Und wieder ist überall Markt: Blumenmarkt auf der Plaza de las Flores, Kleidermarkt auf der Plaza de San Franzisco, Mercado de Artesanias Rotary für Souvenirs und Kunsthandwerk und die Markthalle de 10 de Agosto für frisches Obst und Gemüse vom Feld, Fleisch vom Metzger oder wunderschöne Blumen. Es gibt nicht nur unglaubliche Stände mit Produkten, sondern auch einige ungewöhnliche Dienstleistungen. Unter den Rolltreppen des Marktes kann man eine Seelenreinigung durch die mächtigen und mystischen Limpias erfahren. Die Limpias sind kraftvolle Frauen, die dabei helfen, schlechte Energie aus der Seele zu entfernen. Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt. Im Food Court des Marktes wird an zahlreichen Ständen Hornados angeboten, eines der beliebtesten traditionellen Gerichte Ecuadors. Dieses herzhafte Gericht besteht aus langsam gebratenem Schwein, das am Stand ausgestellt ist, köstlichen kleinen frittierten Kartoffelpüree-Bällchen mit Käsefüllung namens „Llapingacho“, einem kleinen grünen Salat und „Mote“ riesigen weissen Maiskörnern, die das Gericht garnieren.
Der Toquilla-Strohhut, der weltweit als „Panamahut“ bekannt ist, hat seine tiefen Wurzeln in Ecuador. Schon die Ureinwohner der Küste des heutigen Ecuador nutzten „Tocas“ aus Toquilla-Stroh, um sich vor der Sonne zu schützen. Es ist unklar, wann und warum genau diese Verwirrung entstand. Schon 1849 wurden Tausende der Hüte exportiert, auch nach Panama, von wo aus sie nach Europa gelangten. Napoleon III. erhielt 1855 auf der Weltausstellung in Paris einen «Panamahut» als Geschenk. Der Irrtum wurde durch den Bau des Panamakanals noch verstärkt, was zu einem Anstieg der Nachfrage nach dem idealen Sonnenschutzhut aus Toquilla-Stroh führte. Von Panama aus wurde der Hut international bekannt und die Leute nannten ihn „Panamahut“, obwohl er ursprünglich aus Ecuador stammt.
Wir besuchen die Manufaktur Homero Ortega in Cuenca und erfahren alles über die aufwendige Herstellung der Strohhüte von der Gewinnung der Fasern aus Palmwedeln, dem Trocknen und Bleichen der Fasern, der mühsamen Flechtarbeit der Frauen und schlussendlich dem Waschen, Färben und Bügeln in der Fabrik. Im Ausstellungsraum dürfen wir die verschiedenen Kreationen begutachten, vom günstigen 20$ Hut aus relativ grober Faser bis zum unverkäuflichen Kunstwerk aus feinstem Material. Marcel findet nach einigem Probieren den perfekten Hut für sich.
Die Gegend um den Nationalpark El Cajas wurde von Gletschern geformt. Viele Seen, Tümpel und Sümpfe, verbunden durch kleine Bächlein, bilden eine gebirgige Moorlandschaft. Nebel, Nieselregen und ein eisiger Wind lassen die Gegend noch unwirtlicher erschienen. Trotzdem gefällt uns die Lagunen Landschaft sehr. Schade, dass das Wetter uns nicht so gut gesonnen ist.
Nach einer kalten Nacht auf über 4’000 Meter Höhe, hätten wir uns gerne mit etwas Sonne aufgewärmt. So ziehen wir noch zwei Schichten warme Kleider mehr an und nehmen uns viel Zeit bei unsere Wanderung um die Laguna Toreador. Was auf den ersten Blick nur karg und grau aussieht, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als feingliedrige Moose in unterschiedlichsten Formen. Kleinste Blumenkelche in verschiedenen Farben schmiegen sich fast stengellos an den Boden. Im Gegensatz dazu treiben rotblättrige Agavengewächse einen Blütenstand eineinhalb Meter in die Höhe. Beim genaueren Hinsehen erkennen wir kitschig blaue Blüten in ihren Fruchtständen. Büsche mit gelben, weißen, violetten und rosa Blüten trotzen zwischen dürren Gräsern dem Wind. Bäume mit abblätternden roten Rinden geben einen farblichen Kontrast zur nebelverhangenen und regnerischen Umgebung. Frösche quaken überall aber zeigen sich nicht. Die vielfältige Flora macht den Weg um den See zum Erlebnis.
In einer Strasse in Cuenca haben wir sie das erste Mal gesehen, und dann wieder bei der Anfahrt zum Übernachtungsplatz Lotus Wasi in Oña; eine Kuh aus Bambus und Pappmaché. Bedeckt mit allerlei Feuerwerkskörpern dürfen diese Vacas Locas an keinem Volksfest fehlen. Eine Person schlüpft unter die verrückte Kuh und führt den Zuschauern drohende Tänze vor, die amüsiert und entsetzt davonlaufen. Bei unseren Recherchen finden wir heraus, dass in der nahen Stadt Loja nächstens nicht nur die Kühe verrückt sind, ganze Burgen sollen da verbrannt werden, die Quema de Castillos. Die Burgen sind bis zu elf Meter hohe Holzkonstruktionen mit mehreren Stockwerken, die mit Feuerwerkskörpern gefüllt sind. Keine zwei Burgen sind gleich, und jede Nacht brennen mehrere ab. Also nichts wie hin. Leider weiss auch die Señora in der Touristen Information nicht, an welchen Tagen das Spektakel stattfinden wird. Wohl eher nicht vor dem 6. September.
So lange wollen wir dann doch nicht warten, zumal das Wetter immer noch ziemlich regnerisch ist. Wir begnügen uns mit einem Stadtrundgang, bewundern das burgartige Stadttor. Es handelt sich um ein architektonisches Denkmal, das eine Nachbildung des Wappens der Stadt, das König Felipe II im Jahr 1571 an die Stadt schickte.
Auch der Virgen von Cisne, die derzeit in der blumengeschmückten Kathedrale von Loja untergebracht ist, statten wir einen Besuch ab.
Zehntausende von Pilgern haben vom 17. bis am 20. August die 75 km von der Pfarrei El Cisne bis in die Stadt Loja zurückgelegt, um das Bildnis der Schwanenjungfrau oder «Churonita», wie sie sie liebevoll nennen, auf ihrer Reise zu begleiten. Wir wandeln auf ihren Pfaden, allerdings in umgekehrter Richtung und mit dem Auto. Wir können die Leistung nachvollziehen, die die Wallfahrer erbringen. Was wir nicht nachvollziehen können, ist der ganze Abfall, der nach der Prozession am Strassenrand liegt.
Mitten im kleinen Bergdorf El Cisne steht die riesige, himmelblauen Wallfahrtskirche im gotischen Stil, die normalerweise die Virgen von Cisne beherbergt. Das ganze Jahr über zieht sie Pilger aus ganz Ecuador und Südamerika an. Auch jetzt, wo die Jungfrau in Loja weilt, ist der grosse Parkplatz voll von Personenwagen, Autobussen und Lastwagen, mit denen Hunderte von Leuten angereist sind. Rund um die Basilika stehen die Verkaufsstände der Pharisäer dicht an dicht und verkaufen nicht nur religiöse Artikel und Esswaren. Decken, Ponchos, Schmuck und Souvenirs, ja sogar Unterwäsche und Spielzeugpistolen werden angeboten. Auf dem Parkplatz herrscht Feststimmung mit überlauter, weltlicher Musik.
Nur 54 km sind es von El Cisne in die Goldgräberstadt Zaruma. Doch die erste Hälfte bis zur Puente de Ambocas hat es in sich. Eine gut unterhaltene, staubige Naturstrasse führt stetig abwärts, meist zuoberst dem Bergkamm entlang. Die Aussicht in die Weite und die Täler ist berauschend, wäre da nur nicht der meist fast senkrechte abfallende Hang auf der einen oder anderen Seite. Aber Rocky meistert das sicher und zuverlässig. Trotzdem sind wir alle froh, auf der andern Seite der Brücke wieder Asphalt unter den Rädern zu haben, auch wenn natürlich einige «abenteuerliche Abschnitte» und tiefe Löcher im Strassenbelag nicht ausbleiben.
Zaruma ist ein schmuckes Dorf an steilen Abhängen gebaut. Malerische alte Häuser an steilen, engen Gassen mit Fassaden aus edlem Holz, schönen Balkonen und Gesimsen mit Laubsägearbeiten schmücken das historische Zentrum. Die Schönsten liegen wohl am Unabhängigkeitsplatz, wohl einer der wenigen ebenen Flächen im Ort. Und Zaruma liegt auf felsigem Boden, der reich an Gold ist, einem der feinsten der Welt. Seit über 1’000 Jahren graben Menschen in der Erde nach dem gelben Metall. Nach den Inkas und den Spaniern war es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allen die US-amerikanische South American Development Company (SADCO), die das Gold ausbeutete und das Leben der Bevölkerung beeinflusste.
Heute sind es einige grosse, hoch technologisierte Bergbauunternehmen, die das Mineral abbauen, vor allen im Tal Grund, in Portovelo. Aber noch immer sind da unzählige von eigenständigen Bergleuten, die den Untergrund in ungeordneter Weise und unter prekären Bedingungen ausbeuten. Seit der Goldpreis zu Beginn dieses Jahrhunderts in die Höhe schoss, hat der illegale Goldabbau noch zugenommen hat. Es gibt so viele Tunnel, Gabelungen und Abzweigungen unter dem Dorf Zaruma, dass niemand weiss, wohin sie führen. Und ab und zu stürzt einer der Stollen ein und mit ihm das Haus, dass darüber gebaut wurde.
Unser Höhenmeter zeigt ungewöhnlich kleine Zahlen an, wir nähern uns wieder dem Meer. Aber nicht nur der Pazifik kommt näher, sondern auch die Grenze zum Nachbarland Peru. Es gilt einiges vorzubereiten für den Grenzübertritt. Noch fehlt die obligatorische Fahrzeugversicherung und im Kühlschrank gibt’s zu viel Obst und Gemüse, das nicht über die Grenze darf. So nehmen wir eine kleine Auszeit im Reserva Ecológica Arenillas, was sich als Volltreffer erweist.
Die Hauptattraktion der Gegend ist der tropische Trockenwald. Bei einer Wanderung beobachten wir verschiedene Pflanzen, die in der Trockenzeit ihre Blätter verlieren, um zu verhindern, dass das wenige vorhandene Wasser durch die Blätter verdunstet. Andere Bäume haben schmale Blätter, die ebenfalls einen erheblichen Wasserverlust verhindern. Darüber hinaus können die Wurzeln dieser Bäume auf der Suche nach Wasser sehr tief in den Boden eindringen. Trotz Trockenheit blühen einige in tiefen Gelb. Aber auch die Vogelwelt ist trotz Trockenheit anwesend. Allen voran Weissschwanz-Blaurabe, Spottdrossel und Buschstärling machen sich lautstark bemerkbar.
Wir blicken zurück auf zweieinhalb Monate sehr freundliches, offenes, abwechslungsreiches, eindrückliches Ecuador. Landschaften vom Meer bis zu den schneebedeckten Vulkanen; Flora und Fauna im Archipel Galapagos, in Halbwüste, Trockenwald, Nebelwald und im Regenwald des Amazons; lebendige Kolonialstädte und Dörfer; farbenfrohe Märkte, auf denen die Indigenen mit ihren ursprünglichen Trachten ihre Waren kaufen und verkaufen. Aber vor allem erinnern wir uns gerne an seine Menschen, die es nicht alle leicht haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dennoch hatten sie allzeit ein fröhliches Wort und ein Lächeln für uns bereit.
Noch einmal in Ecuador an die Tankstelle. «Voll bitte, bis obenhin», in Peru wird der Diesel mehr als doppelt so viel kosten. Dann sind wir schon an der Grenze. Geduldig warten wir in der Schlange vor den verschiedenen Schaltern für Personen und Fahrzeug. Alles bestens, niemand will ins Fahrzeug schauen. Schon nach weniger als zwei Stunden heisst es: «Willkommen in Peru». Wir und Rocky dürfen 90 Tage das Land der Inkas entdecken.
Erst mal gilt es nun, das komplett unterschiedliche Verhalten der Verkehrsteilnehmer kennenzulernen und zu versuchen sich daran anzupassen. Im ersten Moment kommt es uns vor wie in Vietnam; Motor-Rikschas links, rechts und überall; und dazwischen Motorräder, die jede Lücke ausnutzen. Das wird spannend.

30.08.2025 – 30.09.2025

01.07.2025 – 31.07.2025
