Mexiko IV

Chiapas, Tabasco, Veracruz, Hildago, México, Zacatecas, Durango, Chihuahua

23. März 2023 bis 28. April 2023

Die Lagos de Colón erweisen sich als viel mehr, als wir im ersten Anblick wahrgenommen haben. Die Colón-Seen sind ein natürliches Spa. Eine wunderschöne Kulisse, die von einem Fluss aus Guatemala geschaffen wurde, der sich beim Eintritt nach Chiapas verlangsamt, sich in mehrere Zweige aufteilt und eine Reihe bezaubernder Pools mit blaugrünen Tönen bildet. Die Lagunen sind durch Kanäle miteinander verbunden, haben kristallklares Wasser und seichte Tiefen. Die verschiedenen Schattierungen des Ultramarinblau der Seen verbindet sich harmonisch mit der üppig vorhandenen Fauna. Ein perfektes Gleichgewicht mit der Natur. Ein kleiner, weit verzweigter Wasserfall erinnert uns an Iguazu Fälle im Miniatur Format. Das angenehm warme Wasser ladet zum Bade und zur angenehmen Abkühlung.

Hier haben wir auch Zeit für die Piñata, die wir Max und Marion zum Schulschluss geschenkt haben. Mit einem Stock und verbundenen Augen schlagen die beiden nacheinander auf die Piñata ein, während die anderen mit genügend Abstand dem Spass zusehen. Symbolisch zerschlagen sie die letzten Grenzen zur neuen Sprache. Die herabfallenden Süssigkeiten stehen für all die spanischen Worte, die ihnen in Zukunft immer einfallen sollen.

Nachdem wir die letzten Tage von der Hochebene Guatemalas stetig hinunter gefahren sind, geht es heute wieder kräftig bergan nach San Cristóbal de las Casas. Wir sind wieder auf über 2000 Meter Höhe, was sich auch in der Temperatur angenehm bemerkbar macht.

Der von der Regionalregierung und damit von der Republik Mexiko verachtete Indigenismus veranlasste am 1. Januar 1994 hier in San Cristóbal de las Casas eine Handvoll indigener Gruppen, sich durch die sogenannte Zapatistische Revolution zu protestieren. Ihre Forderungen waren so grundlegend wie offensichtlich. In den Augen westlicher Intellektueller erregten sie eine ungewöhnliche Sympathie, die eine Internationalisierung des Problems ermöglichte. Im Laufe der Zeit verschwand der Fokus der medialen Aufmerksamkeit, aber der friedliche Kampf ist in der lokalen Bevölkerung immer noch sehr präsent.

San Cristóbal de las Casas ist einer dieser Orte, an denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Gepflasterten Strassen, bunte Häuser und malerische Kirchen, die aus jeder Gasse hervorschauen. Trotz des Tourismusschubs, der es zu einem der beliebtesten Touristenziele Mexikos gemacht hat, hat es seinen kolonialen Charakter weitgehend behalten. In den Fussgängerzonen wird der Tourismus aber voll sichtbar. Belebte Bars, Restaurants und Souvenir- oder Kunsthandwerksläden reihen sich hier aneinander. Entsprechend sind die Preise. Belebt, aber wesentlich gemütlicher geht es am Abend auf dem Hauptplatz zu, der Plaza 31 de Marzo. In der Mitte des Platzes befindet sich ein Pavillon, in dem gerade eine Marimba-Sessions stattfindet. Lange hören wir zu, wie die virtuosen Musiker den Holzinstrumenten klangvolle Töne entlocken.

Der Sumidero Canyon ist einer der interessantesten Orte im Bundesstaat Chiapas und eines der Naturwunder Mexikos. Die wunderschöne Umgebung ist nur eine Stunde von San Cristóbal de las Casas entfernt. Allerdings geht es auch wieder tüchtig bergab, befindet sich der Stausee doch auf nur gerade 400 Metern über Meer. In Chiapa de Corzo besteigen wir ein Boot und fahren auf dem Sumidero in die Schlucht. An den Seiten des Canyons erheben sich senkrechte Wände, die bis zu 1’000 Meter hoch sind. Beeindruckend, ja fast schon beängstigend. Ein Wasserfall, zu dieser Jahreszeit ausgetrocknet, hat an der Felswand eine Struktur geformt, die einem Christbaum ähnelt. Am Ende des Sees, nahe der Staumauer, kommt dann der Tourismus auf seine Rechnung. Wir legen am schwimmenden Laden an, ein Boot mit Esswaren und Getränken. Während der zweistündigen Bootstour können wir am Ufer Klammeraffen und Krokodile beobachten. Auch sie scheinen auf uns Touristen zu warten.

Am Abend, heute ist Sonntag, schlendern wir durch das charmante historische Zentrum der Stadt Chiapa de Corzo. Es ist ganz schön was los hier. Vor den Stadtpavillon unterhält ein Clown nicht nur die Kinder. Etwas weiter spielt die lokale Marimba Formation.

Nach dem gestrigen Bootstrip durch die Sumidero Schlucht, schauen wir uns heute das Ganze von oben an. Steil hinauf führt die Strasse zu den fünf schwindelerregenden Aussichtspunkten. Eine Herausforderung für Erika und Max. Beim ersten Mirador kommen wir mit einer mexikanischen Familie ins Gespräch. Conchita führt dann Erika an die Mauer, damit sie nicht nur die Kamera ins Unendliche streckt, sondern auch selber was sehen kann. Tief unter uns liegt der Fluss, der zum Stausee führt.

Die Fahrt geht weiter zum Sima de las Cotorras. In der tiefen, trockenen Cenote fliegen die kleinen grünen Papageien, die Cotorras, zur Nachtruhe ein. Lange sehen und hören wir ihnen von Rand des Abgrunds zu. Sie scheinen alle noch etwas erzählen zu haben. Irgendwann ist dann Lichterlöschen angesagt. Es wird still. Ein paar Fledermäuse fliegen aus den Nischen in der Felswand. Dies sind nun die Schlafplätze der grünen Gesellen.
Noch ist aber nicht für alle Feierabend. Zurück an unseren Schlafplatz, vernehmen wir die Schreie einer Pygment-Eule. Wir gehen den Tönen nach und können die Eule tatsächlich in einem nahen Baum ausmachen. Fotografieren lässt sie sich natürlich nicht. Na dann, guten Flug in die Nacht.

Heute heisst es früh aufstehen. Um 6 Uhr sollen die Papageien ausfliegen. Schnell ein Kaffee und los geht’s. Lautes Krächzen empfängt uns aus der Tiefe der Cenote. Sie sind also wach. Wieder stehen wir am Rand und freuen uns an jeder Gruppe, die sich in die Höhe schwingt. Leuchtend grün sieht man sie fliegen. Drei bis viermal kreisen sie, bis sie aus der Tiefe in die Weite entfliehen. Ganz so viele wie angekündigt sind es nicht, trotzdem, ein schönes Bild den ausfliegenden Vögel nachzuschauen. Bald danach fliegen auch wir aus. Ein grosser Sprung bringt uns heute weiter nördlich an die Ufer des Golf von Mexiko.

Zur Abwechslung etwas Geschichte:
La Venta gilt als eine der ersten Städte des alten Mexiko (1200-400 v. Chr.). Die Region, die seit mindestens 5.000 v. Chr. besiedelt war, ist von einem Netz von Gewässern mit einer reichen essbaren Flora und Fauna sowie fruchtbaren Böden für den Anbau umgeben.
Ende des 19. Jahrhunderts war dieses Gebiet eine der wichtigsten Handelsrouten für den Verkauf von Holz in Mexiko. Fragte man jemanden, was er hier mache, wohin er gehe, so antworteten die meisten: «zum Verkauf». Nachdem es so oft verwendet wurde, blieb es als Name der Stadt erhalten: La Venta – der Verkauf.
Die vier kolossalen Köpfe der Olmeken sind die berühmtesten monumentalen Artefakte von La Venta. Diese riesigen Köpfe können fast 3 Meter hoch und mehrere Tonnen schwer werden. Allein die enorme Grösse der Olmeken-Riesenköpfe ist der Grund für viele Spekulationen darüber, wie die Olmeken es geschafft haben, sie zu bewegen. Der wichtigste Basaltsteinbruch, der in den kolossalen Köpfen von La Venta verwendet wird, befindet sich etwa 80 km entfernt.
Uns gefallen die riesigen Köpfe und die Artefakte im Museum. Die Stadt selber, von der ein grosser Teil durch die staatliche Ölgesellschaft Pemex eingenommen ist, kann uns gar nicht begeistern.

Etwas Magie im Leben kann sicher nicht Schaden. So reisen wir in die südöstliche Ecke von Veracruz an den Lago de Catemaco und die gleichnamige Ortschaft. Der Überlieferung nach bewohnen seit Jahrzehnten wichtige Gruppen von traditionellen indianischen Wunderheilern (Curanderos) und Hexenmeistern (Brojos) die Umgebung. Sie haben sich die tausendjährigen Geheimnisse ihrer Vorfahren zu eigen gemacht und wenden diese gerne an.

Wir biegen von der Strasse ab auf einen Dschungelpfad, der geradeso die Dimensionen von Max Fahrzeug zulässt. Nach einem Kilometer durch dichten Urwald, vorbei an Urwaldriesen, erreichen wir La Jungla, unseren Campingplatz für die nächsten Tage. Mit lautem Krächzen begrüssen uns vier rote Aras aus den hohen Bäumen. Direkt an See gelegen, lädt eine schön angelegte Wasserlandschaft zu Bade. (Im See wird das Baden nicht empfohlen, es soll Krokodile geben.) Verschiedenste Vögel werben in ihren farbigen Brautkleidern um die Gunst ihrer Artgenossen. Besonderen Spass bereiten uns die Montezuma Oropendola, die sich beim Werbegesang kopfüber von den Ästen stürzen. Blue Morphos und viele andere farbige Schmetterlinge schweben vorbei. Echsen rennen über das Gras und verstecken sich im Bambusdickicht. Wir haben ein kleines Paradies gefunden.
Eine Bootsfahrt führt uns über den drittgrössten natürlichen See Mexikos, in der sich mehrere Inseln befinden. Eine davon ist Tanaxpillo, die auch die Insel der Affen genannt wird. Vor dreissig Jahren wurden hier für ein Forschungsprojekt Makaken aus Thailand angesiedelt. Diese vermehren sich prächtig und sind nun eine Touristenattraktion.

Tlacotalpan ist keine typische mexikanische Kolonialstadt. Im Gegensatz zu anderen Häfen wie Veracruz , ist Tlacotalpan ein seltenes Beispiel für einen Flusshafen. Ihren Höhepunkt erreichte die Stadt im 19. Jahrhundert, als Dampfschiffe aus Europa direkt in Tlacotalpan einfuhren ohne Veracruz zu passieren.
Seine Lage und sein Reichtum machten ihn jedoch auch anfällig für Piratenangriffe. Im Zusammenhang mit den zahlreichen Konflikten, die zwischen Spaniern und Engländern in der Karibik und im Golf von Mexiko immer wieder stattfanden, wurde der Hafen Opfer von Raubüberfällen und Bränden . Wie in anderen Küstenstädten waren die ersten Gebäude von Tlacotalpan aus Holz, aber 1788 gingen fast alle von ihnen bei dem schlimmsten Brand verloren, der die Stadt getroffen hat. Um künftigen Unfällen vorzubeugen, wurde angeordnet, dass alle neuen Gebäude aus Ziegeln oder Steinen gebaut werden müssen, und so erhielt Tlacotalpan sein heutiges Aussehen. Grosse Häuser in Pastellfarben mit breiten Veranden, lange Säulengänge, die von Bögen flankiert werden, Fenster mit wunderbar verzierten Metallgittern.
Im Saragossa-Park, einen grünen Platz mit einem schönen Pavillion, setzen wir uns auf einen der Marmorbänken und geniessen die Aussicht auf die schönsten Gebäude der Stadt.

Es war im April 1519, als Hernán Cortés an den Stränden vor der Insel San Juán de Ulúa landete. Einige Zeit später wurde Villa Rica de la Vera Cruz gegründet, heute bekannt als Veracruz. Veracruz, ist eine der ersten sieben Gemeinden, die auf dem amerikanischen Kontinent gegründet wurden, und die einzige dieser sieben, die derzeit noch existiert. Lange Zeit später erlebte Veracruz in seinem Hafen die Ankunft der Verbannten des spanischen Bürgerkriegs und etablierte sich im 20. Jahrhundert als wichtigster Hafen der Republik Mexiko.

Heute können wir auf dem Malecón einige ewige Kinder sehen (manche nicht mehr so ​​sehr), die darum kämpfen, die Münzen zu fangen, die Touristen ins Meer werfen. Wenige hundert Meter entfernt finden wir direkt am Pier einen Parkplatz, auf dem wir übernachten dürfen. Um der Tageshitze zu entgehen begeben wir uns ins Aquarium, einem der grössten Aquarien in ganz Lateinamerika. Hier schwimmen mehr als 3’500 Meeresbewohner in 7 Millionen Litern Wasser.

Nach soviel Fisch darf es dann auch ein kühles Bier sein, dass wir in einem der nahen Strandrestaurants geniessen. Strandrestaurant heisst hier Plastikstühle und Tische in den Sand gestellt, Sonnenschirme dazu, laute Musik und ein paar Camareros, die emsig um Gäste werben. Sie nehmen die Bestellung auf und verschwinden im Gewirr. Wie der Kellner uns mit dem Bier wiedergefunden hat, bleibt ein Rätsel. Direkt vor den Tischen beginnt der Badestrand oder schon das Meer, wobei die Grenze zwischen Wasser und Gastwirtschaft im wahrsten Sinn fliessend ist.

Später begeben wir uns zum Zócalo, dem Nervenzentrum der Stadt. Wir lassen uns im Taxi fahren, zum Laufen ist es noch immer zu heiss. Der beliebte Platz mit gemauerten Bänken und viel Vegetation ist umgeben von der Kathedrale, dem Stadtpalast und schönen Arkaden. Kinder springen durch den im Boden eingelassenen Brunnen und holen sich so ihre Erfrischung.
Nach dem Nachtessen in einen Strassenrestaurant sitzen wir noch lange vor unseren Fahrzeugen am Pier, beobachten die promenierenden Leute und geniessen die frische Brise.

Es ist Semana Santa, die Osterwoche, zu der an den Ständen und in den Touristenort Mexikos tausend von in- und ausländischen Besucher erwartet werden. Entsprechend werden am Osterwochenende die Strassen und die Campingplätze ausgelastet sein. In Casitas, im Coco Loco von Martin aus Emmenbrücke finden wir Unterschlupf für ein geruhsames langes Wochenende am Strand.
Aber dann kommt es anders als gewünscht. Erstmal haben wir nicht daran gedacht, dass die Mexikaner nur bei lautstarker Musik geniessen können. So haben unsere Zeltnachbarn einen riesigen Lautsprecher aufgebaut, aus dem bis spät in die Nacht immer die gleichen tiefen Basstöne durch den Platz dröhnen. Und dann ziehen am Karfreitag dunkle Wolken auf und es beginnt kräftig zu regnen. Nichts mehr mit faulem Strandleben. Bis am Ostersonntag bleibt es leider so.
Trotzdem sind recht viele Leute am Strand. Sie amüsieren sich in den Wellen oder liegen im seichten Wasser und lassen sich überspülen. Jung und alt, ganze Familien graben zusammen mit blossen Händen im Sand. Sie lassen sich vom schlechten Wetter nicht die Laune verderben. Es sind die ärmeren Leute von Land. Das ganze Jahr haben sie darauf gespart, das ganze Jahr haben sie sich darauf gefreut, auf den gemeinsamen Strandausflug an Ostern. Wir erfreuen uns an ihren fröhlichen Gesichtern, an ihrem fröhlichen Treiben. Das ist wahre Osterfreude!

El Tajin war einige Jahrhunderte in der dichten tropischen Vegetation verborgen. Durch Zufall wurde die Ruinenstadt (wieder) entdeckt und in den 1990er Jahren von der UNESCO als Weltkulturerbe aufgenommen. Das Prunkstück der hübsch in den Regenwald eingebetteten Anlage, ist die 25 m hohe Nischenpyramide, ein Meisterwerk der mesoamerikanischen Architektur. Sie zeichnet sich durch die sechs Plattformen mit den 365 quadratisch gestalteten Nischen aus, welche wahrscheinlich das Sonnenjahr symbolisieren sollten. Die Nischen sind ein rein ornamentales Bauelement, die Vermutung, dass in jeder Nische eine Figur gestanden habe, erwies sich gemäss den neusten Studien als falsch.
Neben der Nischenpyramide bietet die Anlage von El Tajin zahlreiche weitere Pyramiden und pyramidenartige Gebäude, Tempel und Grabhügel, wobei schätzungsweise einige hundert Grabhügel und etliche weitere Strukturen noch gar nicht freigelegt werden konnten.
Zur Ausgrabungssätte von El Tajin gehören auch 10 Ballspielplätze (Juego de Pelota). Bei diesem Spiel mussten die Spieler mit den Hüften einen Kautschuk-Ball durch einen hochgelegten Ring befördern. Das Ritual endete mit einer Menschenopferung entweder des Verlierers oder auch des Gewinners. Diese Anerkennung für die Götter sterben zu dürfen, wurde dazumal als eine hohe Ehre angesehen.

Wir übernachten im Ökologischer Park Xanath, einem Naturschutzgebiet am Rande der Stadt Papantla. Es wurde mit dem Ziel geschaffen, das Ökosystem der Region zu zeigen und Touristen die Vanille in all ihren Phasen näherzubringen. Am Morgen bringt uns José Luis vieles über diese Orchidee bei. Jetzt wissen wir, dass die Vanille der Bourbon Insel La Reunion ursprünglich aus Mexiko stammt. Oder dass die Vanille Orchidee nur von einer einzigen Bienensorte bestäubt werden kann und darum die Blüte meist von Hand bestäubt, bzw. zum Ansetzen einer Vanilleschote angeregt wird.

Auf dem Weg durch die Vanilleplantage, lernen wir die Vanille auf natürliche Weise kennen, können eine Vanillepflanze in voller Blüte bewundern, das Grün kennenlernen und die reifenden Schoten. Am Ende treffen wir die Melipona-Bienen, die etwas ganz Besonderes sind, weil sie keinen Stachel haben. Ihnen werden medizinische Eigenschaften zugeschrieben werden, kurz gesagt, sie sind Teil einer uralten kulturellen Tradition.

Noch liegen wir im Bett, als die Heissluftballone über uns wegfliegen. Schön die vielen bunten Punkte am Himmel. Die Leute in den Ballonkörben durften sie schon von oben bewundern, die riesige archäologische Stätte Teotihuacán.
Nach dem Frühstück ziehen auch wir los und lassen uns von den wunderbaren Konstruktionen in Erstaunen versetzen. Der erste Blick fällt auf die Sonnenpyramide, die mit 64 m dritthöchste Pyramide der Welt, nach Cheops und Cholula. Aufgrund der Pandemie können die Pyramiden leider nicht bestiegen werden. Welch ein Frust, wollten wir doch die steilen 238 Stufen hochsteigen, um den 360 ° -Blick auf den Ort zu geniessen. Im Norden, am Ende des 2.5 km langen Calzada de los Muertos erscheint die 43 m hohe Pyramide des Mondes. Am südlichen Ende des Grundstücks, von dem nur ein Teil ausgegraben und untersucht wurde, dominiert der Tempel der gefiederten Schlange Quetzalcoatl und des Regengottes Tlaloc, der mit 365 Köpfen dieser Götter geschmückt ist.
Die „Stadt der Sonne“ war eine der grössten Städte Mesoamerikas, mit einer Bevölkerung von schätzungsweise 100.000 Einwohnern. Obwohl die Stätte seit mehr als einem Jahrhundert wissenschaftlich untersucht wird, wurden bis heute nur 5 % der Ruinen ausgegraben. Es ist immer noch ein Rätsel, wer Teotihuacán baute, wer hier gelebt hat und was seine Aufgabe war. Bekannt ist hingeben, dass es am Ende seiner Ära teilweise verbrannt wurde. 

In Otumba, nur 8 km von Teotihuacán entfernt, war die Wasserknappheit schon immer ein grosses Thema. Deshalb hat die Bevölkerung gelernt, sich mit dem zu versorgen, was sich in der Regenzeit in einigen Becken gesammelt hat. Wenn diese austrockneten, hatten sie keine andere Wahl, als es auf ihrem Rücken aus Teotihuacán zu holen. Während der Kolonialisierung nahmen die Probleme in Otumba zu. Die Spanier, die mit ihren Rindern, Karren und Pferden dort durchzogen, verschmutzten das Wasser, wodurch die lokale Bevölkerung krank wurde und sogar starb. Logischerweise muss das Projekt, ein Aquädukt zu bauen, das frisches Wasser zum durstigen Otumba brachte, allen gefallen haben. Das gesamte System, das Wasser aus mehreren Quellen sammelte und mehrere Abzweigungen hat, wurde über 48 Kilometer lang.
Auf der Landkarte finden wir das Herzstück, den Acuaducto del Padre Tembleque. Aber eine Strasse scheint es dahin nicht zu geben, diese endet ein paar hundert Meter davor. Ein grober Feldweg bringt uns endgültig zum Bauwerk, dort wo es einen kleinen Fluss, eine Eisenbahnlinie und die Grenze zwischen den Bundesstaaten Mexiko und Hildago überquert. Kaum angekommen, meldet sich ein uniformierter Polizist. Er warnt uns, dass es hier auf der Mexiko Seite gefährlich sei. Wir sollen ein Stück weiter über den Bach fahren. Dort seien wir auf Hildago Boden und damit sicher. Er würde dafür sorgen. Aus dem sicheren Hildago betrachten wir dann dieses Wunderwerk der Baukunst. Wie konnten sie 1555 nur das Gefälle bemessen und die gleichförmigen Bögen errichten? 904 m lang ist der Aquädukt und besteht aus 67 Bögen mit Spannweiten von je 17 m. Mit einer Höhe von 38,75 m über dem Flussbett ist es eines der höchsten Aquädukte der Welt mit einer Etage.

Ein Kunstwerk der Natur besuchen wir in Huasca de Ocampo: die Prismas Balsaticos, Basaltprismen. Die meist sechseckigen Prismen entstanden vor etwa 2,5 Millionen Jahren durch das beschleunigte Abkühlen von Lava nach einem Vulkanausbruch. Was diese Basaltprismen speziell unterscheidet, ist ihre Lage in einer kleinen Schlucht, wo das Wasser vom nahen Stausee über die Formationen springt und wunderschöne Wasserfälle bildet. Die 40 Meter hohen schwarzen Felsen glänzen im Sonnenlicht. Eine tolle Ambiance, die sowohl von oben, als auch von unten bewundert werden kann.

Entdeckt wurden sie vor mehr als 200 Jahren von Alexander von Humboldt, der über seine Schönheit und Seltenheit erstaunt war. Sein Besuch wurde in einer Zeichnung festgehalten, die im Britischen Museum in London aufbewahrt wird.

Versteckt zwischen den Bergen beherbergt die Tolantongo-Schlucht eine Oase, in der ein türkisfarbener Fluss und eine Grotte uns das Gefühl geben, im Paradies zu sein. Stufe für Stufe fliesst das vulkanisch erhitzte Wasser über das Kalkgestein, das sich allmählich in kleine Kalkteilchen, Magnesiumsalze und einige andere Chloride auflöst. Das angenehm warme Wasser lädt zum Bade.
Aber nicht nur wir haben diesen Garten Eden entdeckt. Dem Fluss entlang lagern die Mexikaner. Zelte, Matten und Grills werden auf dem Gelände vermietet, Brennholz gibt es zu kaufen. So steht hier Iglu an Iglu, dazwischen Feuerstellen, Grills und Kochstellen. Ganze Familien haben ihre Zelte zu einer Wagenburg formiert. Es wir zusammen gekocht, gegessen, gefeiert und natürlich im Fluss gebadet.
Wir dürfen unsere Camper in einer ruhigen, schattigen Zone direkt am Fluss abstellen, mitten in den Bäumen, direkt am Fluss. Unser eigenes kleines Paradies.

Schon vor dem Frühstück, vor dem grossen Besucherandrang, laufen wir dem blauen Wasser nach zu den beiden Grotten. Aussen fällt das Wasser aus grosser Höhe über viele Kaskaden die Schluchtwände herunter. Durch einen kühlen Wasserfall geht es in die obere Höhle, einem Tunnel gleich. Zwischen den Felsen tritt Dampf aus, wir fühlen uns wie in einer Sauna, die Temperatur beträgt 38 Grad Celsius. Sofort beschlagen die Brillengläser. Es ist eng, zu eng. Da ist die untere Grotte wesentlich angenehmer. Diese Höhle ist voller Stalaktiten und Stalagmiten. Ein Wasserfall ergiesst sich aus der Decke in das Becken. Die Temperatur in ihrem Inneren steigt bemerkenswert an. Immer mehr Menschen geniessen das warme Wasser in dieser urtümlichen Umgebung.
An mehreren Abschnitten der Schluchtwände gibt es künstliche Planschbecken, von denen die meisten von Bäumen beschattet werden, sodass Touristen in warmem Wasser mit Blick auf die Schlucht baden können. Ein Pool mit hellblauen Wasser reiht sich an andern. Es ist Wochenende und daher sind die Becken übervoll mit Gästen. Wir lassen die Mexikaner sich amüsieren und ziehen uns in unser kleines Paradies zurück.

Eine Lavendelfarm in Mexiko? Da es in etwa die Zeit der Lavendelblüte sein könnte, fahren wir hin um uns das anzusehen. Und tatsächlich. Etwas ausserhalb von Mineral de Pozos blühen inmitten von Kakteengärten die wohlriechenden Büsche. Während viele Pflanzen von Amerika nach Europa gebracht wurden, ist es hier einmal umgekehrt. Die Farm pflegt Lavendel aus Frankreich, der Provence und von Holland. Zudem gedeiht Salbei aus Italien. Einer der Betreiber führt uns durch den Garten, mit seinen bezaubernden Aromen und erklärt uns die Herstellung und Trocknung verschiedener Arten dieser Blume.

Schon bei der Einfahrt ins Städtchen Mineral de Pozos beobachten wir einen jungen Mann, nur mit Lendenschurz bekleidet, dafür mit einem riesigen Federschmuck auf dem Kopf. Da muss doch etwas los sein. Also heisst es schnell die Fahrzeuge parken – nicht so einfach in den engen Gässchen – und nach dem Ursprung suchen. Von weitem hören wir lauten Trommelschlag und finden eine farbig geschmückte Gruppe „Chichimeken“, die wild tanzend eine Jesu-Statue durch das Dorf führen. „Chichimeken“ waren eine überwiegend nomadische Jäger-Sammler-Gesellschaft mit einer sehr langen Geschichte in Mexiko. Ihre Nachkommen sind immer noch in bestimmten Regionen Mexikos zu finden.

Mineral de Pozos war bis zur Ankunft der Spanier eine Chichimeca-Siedlung. Aber eigentlich ist diese magische Stadt eher als Geisterstadt bekannt. Seit ihrer Gründung wurde sie schon zweimal verlassen. Die Minen von Pozos hatten Gold, Silber, Quecksilber, Kupfer und verschiedene andere Metalle. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden mehr als 360 Bergbaukonzessionen registriert. In der Umgebung erinnern die jahrhundertealten Überreste der Minen und Verarbeitungsbetriebe an den Reichtum der Silber- und Goldadern. Und aus den tiefen Tunneln sind die Gerüchte über die Legenden und Geschichten dieses Halbwüstenlandes zu hören.

Zacatecas hat Steinbruchhaut und ein Herz aus Silber“. Mit diesem Satz beschreiben seine Einwohner ihre rosafarbene Kolonialstadt. Wir stellen unsere Fahrzeuge auf den Parkplatz des Cerro de la Bufa. Der runzelige Hügel ist das Wahrzeichen von Zacatecas.
Eine Gondelbahn bringt uns bequem hinunter zum Cerro de Gillo. Die Stadt mit der Seilbahn überqueren und die Schönheit dieser Kolonialstadt von oben zu entdecken, ist ein unvergessliches Erlebnis. Die 650 m lange Seilbahn wurde 1979 als Schweizer Fabrikat erbaut, 2018 durch eine Französische Umlaufbahn ersetzt. Der Preis für eine Retourfahrt für Pensionäre beträgt 80 Pesos = 4 Euro! Dafür dürfte man sich in der Schweiz wohl kaum in die Kolonne vor der Kasse stellen.
Von der Talstation führen steile Gassen in die gut erhaltene Altstadt, vorbei an sorgfältig erhaltenen Kirchen und vizeköniglichen Herrenhäusern. Trotz der vielen altern Mauern finden wir uns wieder in einer modernen Stadt mit lebendigen Plätzen und vielen fröhlichen Bewohnern.

Wir tauchen in eine weite Hochebene ein. Schnurgerade Strassen führen durch eine unglaublich schöne Gegend. Rot leuchtet die Erde, goldgelb das Gras, dazwischen dunkelgrün die Bäume und Büsche und über allem wölbt sich der strahlendblaue Himmel mit schneeweissen Wölkchen. Am weiten Horizont winken endlose Bergketten.

Ein lauter Knall holt uns zurück in die Realität. Ein schneller, sicherer Stopp am Strassenrand bringt Gewissheit. Der rechte Hinterreifen ist geplatzt und hängt zerfetzt an der Felge. Erika sichert die Schnellstrasse, Marcel setzt den Wagenheber an, Max und Marion wechseln schnell die Reifen. Und schon geht die Reise weiter.

Und dann tauchen die Hügel mit den Orgelpfeifen auf, die Sierra de Órganos. Spitze Nadeln, aufgeschichtete Felsköpfe, Platten angelehnt an die nächste. Steinmännchen, wagemutig aufgeschichtet von der Natur, alle sehen sie zu uns Winzlingen hinunter. Eine wunderschöne Szenerie umringt unseren Campingplatz.
Eine Wanderung durch diese Steinlandschaft lässt uns alle paar Schritte stehenbleiben und staunen. Es ist eine unglaubliche Kulisse, die aus einer Reihe von Felsen vulkanischen Ursprungs mit skurrilen Formen besteht. Die Formationen sprengen unser Vorstellungskraft. Wir erkennen Gnomen, Zwerge, Aztekenkopfe, Adler oder eine Mutter mit Kind. Marion findet sogar das steinerne Abbild von Marion. Von den versprochenen Steinadlern, Kojoten, Wildschweinen, Wildkatzen und Pumas, dir hier leben sollen, zeigt sich leider niemand. Dafür bewundern wir bei absoluter Dunkelheit Millionen von Sternen am klaren Nachthimmel.

Jeder Blick an Rocky’s Hinterseite bestätigt die Gewissheit: wir brauchen dringend einen neuen Ersatzreifen. In einer Grossstadt wie Durango dürfte das überhaupt kein Problem darstellen. Ein paar Pneuhändler weiter sind wir uns da nicht mehr so sicher. Rocky’s Schuhgrösse scheint in Mexiko nicht sehr üblich. Natürlich wollen sie uns bei Michelin sofort einen neuen Reifen bestellen, die Lieferung wird aber ein paar Tage dauern und wir wollen nicht so lange warten. Dann finden wir eine Llanteria, die zumindest einen Reifen in der richtigen Dimension an Lager hat. Nach drei Stunden – inklusive einer Stunde Siesta – sind wir glückliche Besitzer eines neuen Reserverads.
Nicht viel besser ergeht es Max. Die Motorbremse seines Trucks reagiert auf den letzten Neigungen nicht wie sie soll. Mercedes soll das überprüfen. Nach über drei Stunden dann die Gewissheit: Nichts gefunden, alles in bester Ordnung. Und: die Strasse in Richtung US-Grenze habe sowieso keine steil abfallenden Strecken.

Am nächsten Morgen bringt uns ein kurzer Spaziergang in und durch das historische Zentrum von Durango. Zahlreiche Kolonialgebäude, der zentrale Platz und die Kathedrale sind einige der Hauptattraktionen der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates mit grossem Reichtum und Tradition. Durango der zweitgrösste Produzent von Gold und Silber in Mexiko und ausserdem ein bedeutender Produzent von Blei, Kupfer und Zink. 

Aber nicht nur die Suche nach Edelmetallen hat die Aufmerksamkeit der Welt auf Durango gelenkt, sondern auch Hollywood, denn diese aussergewöhnlichen Wüstenlandschaften, eingebettet zwischen Bergen, dienten als Kulisse für grossartige Geschichten auf der grossen Leinwand. Bis heute wurden mehr als 100 Filme in Durango gedreht, darunter in jüngerer Zeit Produktionen von Filmen wie „Cabeza de Vaca“, „La Máscara del Zorro“ mit Antonio Banderas und Anthony Hopkins oder „Bandidas“ mit Salma Hayek und Penélope Cruz. 

Ein grosser Name steht über den anderen: John Wayne verliebte sich in Mexiko und kaufte für sich in Durango die 1500 Hektar grosse Ranch „La Joya“ mit Flachland, hohen Felsspitzen und sogar einem Wasserfall. Er verwandelte es in das Hauptset für die fünf Filme, die er dort in den nächsten zehn Jahren bis zu seinem Tod im Jahr 1979 drehte. Ein Teil des Sets in La Joya, entworfen und gebaut von John Wayne, wurde seitdem mehrmals für neue Filmprojekte renoviert. Derzeit führt Viggo Mortensen (berühmt aus „Herr der Ringe“) Regie und spielt die Hauptrolle in „The Dead Don’t Hurt“, dessen Veröffentlichung in diesem Jahr geplant ist. 

Der derzeitige Besitzer der La Joya Ranch ist Antonio Lozaya. Sein Vater verkaufte die Ranch an Wayne, aber er bekam sie Jahrzehnte nach dessen Tod zurück, um die früheren Löhne der Familie zu begleichen. Antonio und seine Familie leben im „Bahnhof“ der Ranch, die Wayne gebaut hat. Und ganz hinten auf seiner John Wayne Ranch lässt Antonio Overlander wie uns übernachten. Beschützt von einem seiner Esel verbringen wir eine sichere Nacht in Hollywoods Wildem Westen.

Schhhhh ….. die Zone der Stille.
Im Biosphärenreservat Mapimí, das zu Chiahuahua, Durango und Coahuila gehört, gibt es einen grossen Reichtum zu entdecken, die Zona del Silencio. 10 km holpern wir über eine unbefestigte Strasse zum Campingplatz von Sergio mitten in der Wüste. Und dann ist Ruhe. Man hört den Wind in den Büschen, einen Vogel, aber sonst herrscht Stille.
Als die Sonne untergeht, verdunkelt sich schnell der Himmel und die ersten Sterne tauchen auf. In den ersten Minuten sieht der Himmel so sternenklar aus. Wir freuen uns die Sterne und die Stille zu geniessen. Aber dann ziehen langsam Wolken auf. Was bleibt ist die Stille.

Noch immer sind es lange 800 km bis zur US Grenze. 800 km durch Chiahuahua, den grössten Bundesstaat von Mexiko. 800 km durch die Chiahuahua-Wüste. Wir bleiben auf der Quota, der Mautautobahn. Sehr abwechslungsreich ist die Fahrt nicht, aber wenigstens gibt es auf der Autopista keine Topes, keine der lästigen Mexiko typischen Schwellen, die die Geschwindigkeit reduzieren sollen. So schaffen wir es in 2 Tagen nach Nuevo Casas Grandes, zum Pistoleros, wo wir vor 4.5 Monaten unsere ersten Nächte in Mexiko verbracht haben.

Muss das sein? 100 km vor der Grenze stoppt uns die Polizei. Nach längerer Diskussion – die Polizei in Spanisch, wir in Englischdeutschspanisch – begreifen wir, dass wir die Gesetze der Stadt gebrochen haben sollen: ein Fahrverbot für Lastwagen auf dieser Strasse. Wir sind uns keiner Schuld bewusst. Oder soll es eine Gehaltsaufbesserung für die Beamten werden? Da kommen uns zwei grosse LKW’s zu Hilfe, die uns auf dieser Strasse kreuzen. Dürfen die das? Bei denen liegt wohl mehr drin. Sofort erhalten wir unsere Papiere zurück mit der Aufforderung weiterzufahren.

Ohne grosse Kontrollen überqueren wir wenig später in Las Palomas die Grenze in die USA.

¡Gracias Mexico! Es hat uns hier gefallen. Wir kommen gerne wieder. ¡Hasta pronto!

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