Reise nach Amerika

01. April 2022 bis 05. Mai 2022

Kaum in der Schweiz, schneit es uns ein. Nach einem feinen Raclette bei Monika und Dani liegen am Morgen um die 30 cm Schnee auf dem Dach unseres Womos … brrr. Acht Monate lang sind wir dem Schnee erfolgreich ausgewichen, nun hat er uns doch noch eingeholt. Gemeinsam, sozusagen als Abschiedsevent, befreien wir Rocky von seiner kalten, weissen Verkleidung. Das bisschen Schnee wird jedoch unseren letzten Vorbereitungen auf die Panamericana nicht im Wege stehen. Wenn sonst alles klappt! 

Aber es klappt auch sonst nicht alles. Wir kommen uns vor wie bei Pleiten Pech und Pannen: 

Die Mercedes Werkstatt will vom bestätigten Termin nichts wissen. Zusätzlich soll noch ein Rückruf behoben werden. Technische Probleme beim Mercedes werfen unseren vollen Terminplan schon in den ersten Tagen durcheinander. 

Der genau abgeklärte Verschiffungstermin und der gewünschte Abfahrtshafen sind plötzlich nicht mehr verfügbar. In Hamburg statt in Bremerhaven und eine Woche früher sollen wir nun unser Fahrzeug abgeben. Da wir noch einen Termin in Bielefeld beim Hymerhändler haben, um kleine Mängel zu beheben, ist dies keine Option. Wir schreiben und telefonieren bis alles wieder stimmt. 

Ein neuer Sensor soll uns die genauere Füllmenge im Frischwassertank melden. Beim Einbau raucht es und die Stimmung sinkt. Was ist da schon wieder falsch gelaufen und wie können wir in der kurzen verbleibenden Zeit einen Ersatz organisieren? 

Der bestellte und bezahlte Rucksack kommt nicht wie angekündigt innerhalb 24 Stunden. Schon wieder müssen wir den Terminkalender neu ordnen. 

Die Kompaktkamera funktioniert nicht mehr richtig. Fust bietet die gleiche im Internet an, der Preis ist sensationell. Wir trauen dem nicht ganz und fragen direkt im Laden nach. Alles wird uns bestätigt, gleich im Internet bestellt und einkassiert. Ein paar Tage später erreicht uns ein E-Mail: doch nicht mehr lieferbar. Sch… Gemäss Internet sollen in anderen Fust-Läden noch einzelne vorhanden sein. Wir klären telefonisch ab. Leider alles ausverkauft. Nun heisst es Geld zurückfordern und eine neue Verkaufsstelle finden. 

Die Alarmanlage funktioniert nicht wie sie sollte. Wir simulieren einen Einbruch. Der Alarm im Auto geht los, die laute Zusatzhupe und die Meldungen auf unsere Handys nicht. Wo die Hupe für den Alarm sitzt, wissen wir nicht. Unter der Kühlerhaube sehen wir sie nicht, finden aber den Behälter mit der Bremsflüssigkeit offen, den Deckel dazu nebenan hingelegt. Qualitätsarbeit von Mercedes. Marcel schäumt. Der vermisste Alarm geht dann doch noch los: nachts um 2 Uhr auf Marcels Handy. Erikas Handy zeigt nur stillschweigend den vermeintlichen Einbruch an. 

Auf mehreren Anfragen beim Hersteller erhalten wir die frustrierende Antwort. Die Satellitenanlage von Alden wird auf der amerikanischen Seite nicht funktionieren und kann auch nicht auf das NTCS System umgebaut werden. Ursprünglich wollten wir sowieso keinen Fernseher im Womo, aber der war im Paket inkludiert. Nun montieren wir alles ab, damit wir es in der Schweiz zurück lassen können. Die Satellitenschüssel ist etwas schwieriger, da wir nicht wissen, ob das Dach nach der Demontage noch dicht ist. Auf Nachfragen erhalten wir auch hier keine Rückmeldung. Irgendwann reisst unsere Geduld.  Bei Schneetreiben schneidet Marcel die Kabel einfach durch und klebt alles mit Montageband ab. 

Fahrzeugversicherung USA und Kanada: Auch das eine Geschichte für sich. Was haben wir nächtelang gegoogelt,   unzählige Blogs und Reiseberichte durchsucht, und dann ein Dutzend Versicherungen und Broker angefragt. Das Resultat ist ernüchternd:  
– Von den meisten hören wir gar nichts 
– Andere versichern keine ausländischen Womos mehr 
– Ein US-Broker darf nicht für Kanada Versicherungen anfragen? 
– Die nächste Agentur erwärmt uns, direkt in die USA zu verschiffen. Ihre Versicherung erlischt, wenn wir auf dem Landweg von Kanada in die USA einreisen? 
– Eine Versicherung würde für USA und Kanada versichern, kostet aber 3’500 Dollar im halben Jahr und kann nur halbjahresweise abgeschlossen werden. Für unsere geplante Reise würden sich demnach Kosten von 10’500 Dollar ergeben. 

Dann wendet sich das Blatt.  

Zum Interview beim amerikanischen Konsulat haben wir uns gut vorbereitet und viele Unterlagen bereitgestellt. Doch sie wollen gar nicht viel wissen.  Aha, Reise auf der Panamericana mit dem Wohnmobil, toll! … Keine Verwandten in den USA, aber Familie in Europa. Okay …  wie lange wollen Sie in den USA verweilen? Ja, hängt vom Grenzbeamten ab …  Ok, tschüss, schöne Reise. 

Da unser Rocky immer am oberen Gewichtlimit beladen ist,  haben wir uns entschlossen eine Zusatzluftfederung einbauen zu lassen. Die Firma Ariva in Wangen an der Aare hat uns den Termin schon vor Wochen bestätigt. Alles klappt super. Wir übernachten im Ort, direkt an der Aare und geben um 7 Uhr unser Fahrzeug ab. Es wird auf alle Fragen eingegangen und alles genau erklärt. Ein fliegender Beck versorgt uns mit Brötchen und wir dürfen es uns im Pausenraum bequem machen. Nach einem Ausflug mit Marlise und Francis ist unser Rocky bereit für neue Abenteuer. Ein völlig neues Fahrgefühl. 

Der Sensor für den Wasserstand wird vom Hersteller ausgetauscht und direkt an Rolf nach Düsseldorf geschickt. Das Kabel dazu erreicht uns auch in Düsseldorf nicht mehr rechtzeitig. Ein weiteres wir darum nach Bremen geschickt, wo es rechtzeitig eintrifft. 

Mit Rolf und Eva geniessen wir eine schöne Fahrradtour dem Rhein entlang. Wir überqueren den Fluss mit der Fähre und radeln auf der andern Seite zurück nach Düsseldorf. Am Ostermontag sitzen wir direkt am Rhein und schauen den Schiffen und den vorbeispazierenden Leuten zu. Noch etwas zusammen essen und plaudern, verbringen wir eine schöne Zeit mit den beiden. Am nächsten Tag gibt uns Rolf eine interessante Führung durch seine Uni in Essen. Dann heisst es Abschied nehmen. Tschüss Rolf, bis bald auf WhatsApp. Oder vielleicht gar bei einem Besuch in Amerika? 

Ein Anruf erreicht uns. Unsere Freunde bei Bremen hatten Kontakt mit Corona Erkrankten. Jetzt warten sie ab und testen.  Allenfalls fällt unser Abschiedsbesuch ins Wasser. Und leider ja, Annettes Test ist positiv. Zum Glück sind die Symptome nicht zu stark. Ein kurzer Besuch vor dem Haus liegt daher drin. Bernd unterstützt mit Fachwissen Marcel bei Fragen zum Einbau des Wasserstand Sensors, der dann einwandfrei funktioniert. Etwas Tratschen mit Abstand muss sein, bevor es weiter geht nach Bremerhaven zur Schleuse.  

Anstelle des Besuches im Auswanderer Museum machen wir noch einmal Inventar. Alles wird aufgelistet und neu eingeordnet. Am Morgen muss dann noch das restliche Gas aus den Tankflaschen. Heizen mit offenen Fenster, Wasser kochen, Kühlschrank und Boiler auf Vollgas laufen lassen. Obwohl die Flaschen schon lange leer anzeigen, kommt immer noch Gas. Wir schliessen auch noch die Aussenküche an und drehen sie voll auf. Trotzdem dauert es bis nach dem Mittag, bis die Flamme endlich flackernd erlischt.  
Fenster und Dachluken werden verbarrikadiert und die Holzwand als Abtrennung zum Fahrerhaus montiert. Dank der super Arbeit von Moritz klappt dies gut. Ein letzter Kontrollblick, alles ist fest verzurrt. Jetzt muss Rocky noch gewaschen werden.  
Im Hafen stauen sich die Lkws. Die Nerven der Fahrer liegen blank. Sie warten seit langem. Das Hafen Gelände ist voll mit Stückgut. Wir kriegen Hilfe und schon bald steht Rocky frisch gebadet am Hafen. See you in Halifax.  

Für uns geht es mit der Bahn noch einmal zurück in die Schweiz. Noch ein gemütlicher Tag mit Marlise und Francis von Ipsach bis zum “Ende der Welt” und feiner Treberwurst zum Znacht, ein Abendessen mit Ruedi. Beim Spaziergang mit Anika durch den Tierpark Dählhölzli kommen alte Erinnerungen auf. Viele Male haben wir mit unseren Kindern hier Tiere beobachtet. Heute lässt sich Anika hier inspirieren für ihre Kreationen aus Edelmetall und Holz.
Zum Abschied bei Anika und Moritz geniessen wir selbstgemachte Ravioli, in Teamarbeit hergestellt, wie in alten Zeiten. Dann ist es auch hier Zeit für ein herzliches Tschüss. Wo wir uns wohl Wiedersehen werden? In Mexiko, in Costa Rica oder gar schon in Alaska? 

Ines kocht speziell für Marcel einen Brätbraten nach Oma-Art. Mmmh, fein, den wird er auf unserer Reise sicher vermissen. Unseren vorläufig letzten Abend in der Schweiz verbringen wir bei Urs und Gaby. Zusammen mit Ines und Philipp geniessen wir “Gschwelti” mit verschiedenem echtem Schweizer Käse und Glarner Schabziger. Danke Gaby. Später gesellt sich zur Überraschung auch noch Urs Sohn Till dazu. Zum Dessert hat uns Ines die sagenhafte Schokoladenmousse nach dem Rezept von Marcels Mutter zubereitet. Ein süsser Abschiedsgruss. 

Am 5. Mai um 12:50 Uhr heben wir mit Swiss Flug LX86 pünktlich in Zürich ab. Panamericana wir kommen! 

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