USA West V – Mexiko V

Kalifornien – Baja California

29. November 2023 bis 27. Dezember 2023

Slab City ist mit Sicherheit einer der unheimlichsten und zugleich interessantesten Orte, die wir bisher gesehen haben. Eigentlich ist es eine Hausbesetzerstadt mitten in der Sonora-Wüste in Kalifornien. Bekannt als „Der letzte freie Ort in Amerika“, ist diese unkonventionelle Stadt die Heimat von Künstlern, Rentnern, Aussteigern und Andersdenkenden, die sich praktisch aus der Gesellschaft entfernt haben, … oder es zumindest versuchen.
Das bemerkenswerteste Wahrzeichen der Gemeinde ist der Salvation Mountain. Die massive, farbenfrohe Skulptur ist das jahrelange Werk des verstorbenen Künstlers Leonard Knight, der sie aus Lehm, Stroh und viel Farbe baute. Neben dem bunten Berg, der eine inspirierende Botschaft über Gottes Liebe vermittelt, stehen viele verschiedene Fahrzeuge, bemalt mit biblischen Bezügen und Worten.


Am nördlichen Rand von Slab City führen unbefestigte Straßen zu einer staubigen Kunstkommune namens East Jesus mit einer umfangreichen Sammlung von exzentrischen Assemblage-Kunstwerken, die aus Müll und anderen wiederverwendeten Materialien hergestellt wurden. 
Die weitere Erkundungsfahrt durch die Staubstrassen der ehemaligen Militärbasis zeigt vor allem haufenweise Schrott und Abfallhalden vor den alten Wohnwagen und selbstgezimmerten Behausungen. Dazwischen gibt es immer mal wieder Kunstinstallationen, zum Beispiel Schuhe im Kreis um einen dürren Baum. Irgendwo mittendrin erfragen wir uns einen Platz und übernachten mitten in der freien Stadt, die mit so alltäglichen, gesellschaftlichen Problemen wie Abfallentsorgung, Besitzabgrenzung und Kriminalität kämpft.

Zurück in der «unfreien» Welt sieht Erika hoch an einem Silo die Markierung Sealevel, Meeresspiegel. Wie im Death Valley befinden wir uns unterhalb des Meeresspiegels. Rund um uns ist alles Grün: Gemüseplantagen und Grasfelder. (Aussagen zufolge soll das Heu von diesen Feldern teilweise nach China verkauft werden!) Da wir immer noch in der Sonora-Wüste sind, müssen natürlich alle Felder bewässert werden. Breite Kanäle bringen Wasser vom 100 km entfernten Colorado River.
Bereits 1905 versuchte ein Ingenieur einen Teil des Colorado Rivers in einen Kanal umzuleiten. Aber die Umleitung ging schief und das gesamte Volumen des Colorado ergoss sich in den Salton Sink, das mehr als 60 m unter dem Meeresspiegel liegt. Das Wasser floss fast zwei Jahre lang weiter. Das Saltonmeer war entstanden. Fast umgehend wurde es von der Agrarindustrie genutzt. In den 1950er-Jahren wurde der Salton Sea zu einem Touristenparadies mit Angeln, Bootfahren, Hotels und sogar einem Yachtclub. Das Geschäft florierte unbesorgt.

Doch die extensive Landwirtschaft führte zu einem salzigen Untergang der Gegend. Vergiftet mit Pestiziden und mit einem Salzgehalt höher als der Pazifik ist der größte See Kaliforniens heute für kein Leben mehr bewohnbar. Bombay Beach ist eines der Opfer des Untergangs des Salton Sea und dient als zerbrochene Erinnerung an die schmutzige Vergangenheit. Der einst mondäne Küstenort bekannt für Wasserskifahren, hat seinen Glanz verloren. Verrottet und verlassen. Doch am Rande des giftigen Wüstensees verändert eine aufstrebende Künstlergemeinschaft langsam die Wahrnehmung einer vergessenen Stadt.
Auch US-Politiker interessieren sich plötzlich für diese ländliche Gegend. – nämlich wegen des Lithiumreichtums tief unter der Oberfläche. Einer neuen Studie zufolge liegen tief unter der Oberfläche schätzungsweise 3’400 Kilotonnen Lithium, genug um 375 Millionen Batterien für Elektrofahrzeuge zu produzieren. Aber um das begehrte Lithium an die Oberfläche zu bringen braucht man etwas, was hier jetzt schon Mangelware ist: Wasser.

Nach 3 Monaten in den USA wollen wir heute die Grenze zur freien Republik Slowjamastan überschreiten. Leider ist das Zollamt nicht besetzt, so bleibt der Schlagbaum unten. Über die «schwarze» Grenze gelangen wir trotzdem ins Landesinnere.
Randy „R Dub!“ Williams, ein Late-Night-DJ für „Slow Jams“ aus San Diego, hat sein Leben lang versucht, jedes Land der Welt zu besuchen. Da ihm die Länder ausgingen, kaufte er ein Stück leeres, trockenes Land in der kalifornischen Wüste, erklärte die Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten und etablierte seine Mikronation als eine unbeschwerte, eingeschworene Gemeinschaft, die sich über die typischen Besonderheiten der Eigenstaatlichkeit lustig macht.
Zwei Jahre später hat der Sultan mehr als nur ein paar bizarre Gesetze erlassen (er hat zum Beispiel das Tragen von Krokodilen – Crocs – verboten). Die Republik verfügt über alle Merkmale eines jungen Nationalstaats. Es stellt seine eigenen Pässe aus, hisst seine eigene Flagge, druckt seine eigene Währung („das Duble“), hat ein Nationaltier (den bescheidenen Waschbären) und natürlich eine Nationalhymne, die bei staatlichen Anlässen gespielt wird.
Aber die Micro Nation Slowjamastan gilt rechtlich nicht als souveräne Nation und wird von keiner Regierungsbehörde anerkannt.

Wir haben erfahren, dass in Julien der köstlichste Apfelkuchen Amerikas gebacken wird. Hier in den malerischen Cuyamaca Mountains reifen über 21 Apfelsorten in den Obstgärten auf über 1’300 Meter über Meer. Das lassen wir uns nicht entgehen. Die schmale Banner Road mit unzähligen, engen Kurven führt hoch in die Berge, und in den Nebel. «It never rains in California», aber oben angekommen, empfängt uns feiner Regen. Es ist empfindlich kalt. Trotz dem unwirtlichen Wetter laufen wir die Straße hoch und runter. Julien ist ein gemütliches Dörfchen mit viktorianischer Architektur, Restaurants im Landhausstil und altmodischen Geschäften. Weihnachten ist allgegenwärtig.
Endlich haben wir uns entschieden in welcher Konditorei wir den Apfelkuchen erstehen wollen. Doch das ist gar nicht so einfach. Typisch amerikanisch gibt es nebst dem traditionellen noch einen mit Streusel, einen mit Caramel, mit Beeren oder mit Schokolade. Dann noch den glutenfreien, den ohne Zucker und wohl auch noch einen laktosefreien und einen vegetarischen.😉 Wir entscheiden uns für den mit Streusel.

Vom nahegelegenen Aussichtspunkt erhaschen wir durch den Nebel einen Blick ins Tal. Dort unten scheint die Sonne. Hier oben ist es bereits jetzt am Nachmittag 6 Grad kalt und es windet. Für die Nacht sind Minustemperaturen angesagt. Den nächsten Übernachtungplatz suchen wir uns lieber dort unten, 700 m tiefer.

Die kalifornische Sonne hat uns wiedergefunden und so entscheiden wir durch die Berge zu unserem nächsten Hotspot zu fahren. Von oben zeigt sich eine wunderschöne Aussicht weit in die Täler bis hin zum Saltonmeer. Dann windet sich die Strasse steile 800 Höhenmeter hinunter in die Ebene.

Übergroße Dinosaurier, Pferde, Mammuts, Säbelzahntiger, Skorpione, Drachen und mehr scheinen über das karge Land rund um das kleine Dorf Borrego Springs zu streifen und nur darauf zu warten, entdeckt zu werden. Diese fantasievolle Attraktion in Borrego Springs war die Vision des örtlichen Landbesitzers Dennis Avery. Er wollte seinem Anwesen, dem Galleta Meadows Estate, freistehende Kunst hinzufügen und beauftragte daher den Künstler und Schweißer Ricardo Breceda, einige Skulpturen für ihn anzufertigen.
Uns gefällt der Drachen am besten. Teile seines Körpers ragen über die Oberfläche, was so aussieht, als würde er im Sandmeer schwimmen. Die Drachenschlange ist so lang, dass sie sogar die Straße überquert. Was uns am Drachen am meisten beeindruckt, ist die Liebe zum Detail. Sogar die Unterseite seiner Zunge hatte Textur!

Von unserem letzten Besuch im Joshua Tree National Park vor vielen Jahren sind uns vor allem die riesigen Bouldersteine in bester Erinnerung. Wir möchten gerne auf einem der Campingplätze inmitten dieser Felsen übernachten, um die Morgen- und Abendstimmung zu erleben. Aber natürlich ist gerade Wochenende und alle Plätze sind ausgebucht.
So stellen wir uns nach der begeisternden Fahrt durch den ausgewaschenen Box Canyon auf das BLM Land vor dem Park und geniessen den Rest des Tages. Es bleibt viel Zeit, um heute am ersten Adventssonntag Rocky weihnachtlich zu schmücken. In der Ferne rauscht der Verkehr auf dem vielbefahrenen Interstate Highway 10, der von Jacksonville in Florida bis nach Los Angeles führt. In der Nacht reihen sich die rot-weissen Lichter der LKW’s wie eine Weihnachtsgirlande aneinander. Passt gut zum ersten Adventssonntag.

Im Joshua Tree National Park, benannt nach den einzigartigen Joshua Trees, treffen zwei Wüsten aufeinander. Die Mojave-Wüste im Westen und die Sonora-Wüste im östlichen Teil des Parks. Die bis zu 12 m hohen Joshua Trees sehen nur aus wie Bäume, es sind aber eine Yucca-Art.
Im Sonora Teil gibt es noch keine Joshua Trees, dafür ist er mit Kreosotbüschen, Ocotillo, Palo Verde und Jumping Cholla («Joya» gesprochen) übersät. Besonders viele der springenden Cholla-Kakteen wachsen im Cholla Cactus Garden. Diese Kakteen werden auch Teddybär-Cholla genannt, da sie aus der Ferne super flauschig aussehen. Man sollte sich aber besser nicht mit ihnen knuddeln. Als Marcel ein kleines, abgesprungenes Stück in die Hand nimmt, ist es sehr anhänglich und will ihn kaum mehr los lassen.

Wir folgen der Strasse weiter und gelangen in den Mojave-Wüstenteil des Parks. Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Natur und Landschaft beginnen sich zu verändern. Je weiter wir fahren, desto mehr Joshua Trees und aufgesplitterte Felsbrocken sind vom Auto aus zu sehen.
Bevor wir unseren Platz im Jumbo Rocks Campground beziehen, fahren wir durch den Joshua Tree Wald bis hoch zum Aussichtspunkt vom The Keys View. Er liegt auf einer Höhe von 1’580 m und ist mit dem Auto erreichbar – nur die letzten Meter müssen zu Fuß zurücklegen werden. An klaren Tagen wie heute kann man von hier oben sogar Coachella Valley und Palm Springs im Smog erkennen. Infotafeln beschreiben, dass Industrie und Strassenverkehr die hässliche, braune Smogglocke im Großraum von Los Angeles verschulden. Und auf dem Parkplatz warten die Fahrzeuge mit laufendem Motor.

So haben wir uns unseren Stellplatz vorgestellt, inmitten der riesigen Bouldersteine. Von hier führt ein Wanderweg quer durch die markanten Felsbrocken. Der berühmteste davon ist der Skull Rock, der aussieht wie ein riesiger Schädel. Die Erosion hat diesen Granitfelsen mit Löchern versehen, die Augenhöhlen ähneln, was dem Felsen seinen makabren Namen gab.

Was auch immer uns antrieb, wir wollen zum Santa Monica Pier. Irgendwie eine verrückte Idee, denn das bedeutet mit dem Wohnmobil einmal quer durch Los Angeles, von Ost nach West, 150 km Stadtgebiet. Keine grosse Sache denken wir, ist ja alles Autobahn. Was 3-spurig beginnt wird bald 4-, 5-, ja gar 8-spurig; pro Fahrrichtung. Der Verkehr am frühen Nachmittag ist zunehmend. Wenn sich nicht gerade ein Stau bildet, wird schnell gefahren. Wir versuchen die Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h einzuhalten und werden dauernd überholt, links und rechts. Das Tempolimit wird kaum eingehalten. Uff. Bald haben wir genug davon und lassen uns vom Navi abseits der Autobahnen durch die Grossstadt führen. Das dauert zwar länger, fährt sich aber trotz vielen Ampeln wesentlich entspannter und wir sehen auch viel mehr.

So kommen wir am Rande von Downtown LA vorbei und kurz danach im La Brea Park in West Hollywood. Wo heute Bürogebäude, Ampeln und Imbisswagen stehen, streiften vor 11’000 Jahren Mammuts, Säbelzahntiger und Schreckenswölfe frei herum. In den Teergruben von La Brea brodelt noch immer Teer. In der Seegrube wehrt sich ein Mammuts vor dem unaufhaltsamen Versinken. In der aktiven Fossilienausgrabungsstätte entdecken Wissenschaftler jeden Tag neue Exemplare aus der Eiszeit.

Einige Male haben wir sie überquert, kurze Strecken sind wir sogar auf ihr gefahren: die legendäre Route 66, die Strasse der Motorradfahrer. Hier am Santa Monica Pier ist sie zu Ende. Wir schlendern mit vielen anderen Touristen durch die Vergnügungsbetriebe des historischen Piers, vorbei am Riesenrad, der Achterbahn und der Berg-und-Tal-Bahn mit den kreisenden Haifischen. Im Restaurant genehmigen wir uns ein Bier mit Aussicht auf den Pazifik. Dafür erhalten wir ein blaues Armband, das uns als genügend alt kennzeichnet, um Alkohol trinken zu dürfen. An einigen Orten wird musiziert, wobei jeder versucht, seinen Konkurrenten per Verstärker zu übertönen. Trotzdem, der Ort gefällt uns immer noch.

Bald versinkt die Sonne in stimmiger Kulisse im Meer. Schnell wird es dunkel und kühl. Wir wühlen uns durch die Speisekarten der Restaurants von Santa Monica. Viele feine Sachen entdecken wir darauf, wenn da nur nicht die Preise auf Schweizer Niveau und darüber wären.

Die RMS Queen Mary war als Luxus-Passagierschiff der Cunard-Reederei von 1936 bis 1967 im Einsatz. Nach 33 Jahren Dienst und mehr als 1’000 Atlantiküberquerungen wurde sie in den Ruhestand versetzt. Seither wird der riesige Passagier-Dampfer unter dem Namen «Hotel The Queen Mary» als Hotel in Long Beach genutzt. Die Übernachtung in einer der 346 Kabinen und Suiten wird als einmaliges Erlebnis angepriesen. Wir ziehen Rocky dem fast 100jährigen Schiff vor und bestaunen das schöne alte Ding nur von aussen. Erstaunlich, das daneben liegende moderne Kreuzfahrtschiff von Carnival Cruise Line ist nur wenig länger.

An der Long Beach entlang erhaschen wir immer wieder einen Blick auf den schäumenden Pazifik und Surfer, die im kalten Wasser auf ihre Welle warten. Eine Hundertschaft entspannt sich beim Yoga im Park.

Im Atlas Obscura haben wir in entdeckt, den Arroyo-Vogelpark. Dies soll das neue Heim für unsere zwei Vögel aus Schwemmholz werden, die uns seit einiger Zeit begleiten. Der kleine, grüne Fleck am Rande von San Juan Capistrano beherbergt nämlich mehr als 100 handgefertigte Vogelhäuschen und eine Vielzahl anderer Schmuckstücke, die die Menschen zurückgelassen haben. Unseren zwei gefällt das neue Zuhause.

Im Craftsmanship Museum in Carlsbad ist viel zu sehen und staunen. Puppenstuben, Musikboxen, Modelle von Flugzeugen, Schiffen Autos und Eisenbahnen im kleinen Maßstab, meist originalgetreu nachgebildet bis ins kleinste Details. Unsere Bastlerherzen machen Luftsprünge. Winzige, kleine Dampfmaschinen und Verbrennungsmotoren erwachen zum Leben. Die meisten Kreationen wurden von einzelnen Handwerkern hergestellt, die oft monatelang an ihren kleinen Werken arbeiten. Bei den Kleinmaschinen sind die Teile oft so klein, dass es kein Werkzeug gibt, mit dem man sie bearbeiten könnte. Deshalb müssen die Handwerker sogar ihre eigenen verkleinerten Werkzeuge herstellen.

Eigentlich wollen wir in San Diego die Orca Show im Sea World Vergnügungspark besuchen. Doch dann erfahren wir, dass Sea World seit kurzen auf diese Shows verzichtet. Gut für die Wale, die nicht mehr in Gefangenschaft leben müssen, schade für uns. Als dann beim Online-Ticketkauf auch noch unsere Kreditkarten abgelehnt werden, werten wir das als Zeichen und verzichten ganz auf den Besuch.
Stattdessen folgen wir dem Rat unseres 92jährigen Übernachtungs-Host und spazieren ausgiebig der Hafenpromenade von San Diego entlang. Hier liegen im Maritime Museum of San Diego verschiedene alte Schiffe vor Anker, die teilweise noch immer seetüchtig sind. Das Schmuckstück ist sicher die «Star of India», das älteste Segelschiff der Welt.
Nur wenig weiter ist der pensionierte Flugzeugträger SSS Midway dauerhaft angedockt. Im Hintergrund sind sogar aktive Kriegsschiffe zu erkennen. Auf dem Deck des riesigen Museumsschiffes sind verschiedenste Marineflugzeuge aufgereiht. Ein Tummelplatz für alle Navy-Begeisterten.
Wir verbringen unsere Zeit lieber im Seaport Village, ziehen durch die gewundenen Kopfsteinpflasterwege und schnuppern in seinen Souvenirgeschäften und Restaurants etwas friedliche Weihnachtsluft.

Der Weg aus der Stadt führt uns dann doch noch am Sea World vorbei. Mehrere Achterbahnen erheben sich hoch über das Gelände des Vergnügungsparks. Wäre wohl nicht ganz das unsere gewesen.

Der letzte Tipp von Bert war der Aussichtspunkt auf dem Mount Soledad in La Jolla. Von hier oben eröffnet sich uns ein fantastischer 360-Grad-Panoramablick über die Grossstadt San Diego. Die Spitze des Hügel beherbergt auch das Mt. Soledad National Veterans Memorial, mit den Geschichten von Männern und Frauen, die dem Land gedient haben.

Ohne es geplant zu haben, überqueren wir auf den Tag genau nach einem Jahr wieder die Grenze nach Mexiko. Mit einem freundlichen «Bienvenido a Mexico» begrüßen uns die Beamten am kleinen Grenzübergang nach Tejate. Neben älteren und kleineren Fahrzeugen und dem etwas chaotischen Verkehr, fällt uns vor allem eines sofort auf: Hier findet das Leben wieder auf der Strasse statt. Restaurants und Verkaufsstände bieten ihre Waren direkt am Wegrand an.

Wir sind auf der Baja Califonia, der zweitgrößten Halbinsel der Welt. Über 1’220 km sind es von Nord nach Süd, mehr als einmal durch ganz Deutschland, von Basel nach Kiel. Vor dem Rummel an den Stränden im Süden der Baja geniessen wir erstmal die Ruhe der abgelegenen Rancho La Belotta. «Schlechte Strassen – bringen gute Freunde», so lautet ein beliebter Spruch von Raul, dem Besitzer und so sind die letzten Kilometer der Anfahrt recht abenteuerlich.
Caroline, die Hausherrin, empfängt uns herzlichst auf ihrer wunderschönen Gästeranch, die sich auf Wanderreiten, Wachteljagd, Tequila-Verkostung und vieles mehr spezialisiert hat. Eigentlich alles nicht unsere Hobbys, doch wir können uns hier wieder einmal körperlich betätigen, das tut gut. Erika bringt die Lavendelbüsche wieder in Form. Marcel baut nach Anweisung der Hausherrin aus alten Mauersteinen die Umrandung für einen Gewürzhochgarten in Schlüssellochform. Erst den alten Pflaster von den Backsteinen abschlagen, der Transport in der Schubkarre hoch zum Garten. Schwerstarbeit, zum Glück ist auch noch Rick angekommen, der kräftig mithilft.
In der Nacht wird ein Meteoriten-Schauer erwartet. Die absolute Dunkelheit in der Abgeschiedenheit der Ranch bietet ideale Voraussetzungen. So sitzen wir mit dem Kopf im Nacken da und staunen ob der unzähligen Sterne. Und dann fallen sie. Nach über zwei Duzend Sternschnuppen legen wir uns wunschlos glücklich ins Bett. Ob all unsere Wünsche in Erfüllung gehen werden?
Auch Hausherr Raul ist nun von seiner Reise durch die Baja zurückgekehrt. Von ihm bekommen wir nützliche Tipps für interessante Übernachtungsplätze auf der Halbinsel. Dann heisst es Abschied nehmen. Ohne Probleme meistert Rocky den steilen, steinigen Weg zurück auf die Hauptstrasse.

Die Fahrt nach Ensenada führt mitten durch das Weintal Guadalupe. La Ruta del Vino, die Weinstraße, ist der Name der Ansammlung von Weingütern und Restaurants im Valle de Guadalupe. Mittlerweile soll es im Tal fast 200 Weingüter geben, und jedes Jahr werden mehr Weingüter eröffnet. Wer fährt, trinkt nicht! Und so verpassen wir wieder einmal das Wein-Tasting. Da jedoch 90% des mexikanischen Weins hier produziert werden, kommen wir sicher noch dazu, einen hiesigen Tropfen zu versuchen.

In Ensenada ist erst einmal Wäsche waschen angesagt. Wir geben die schmutzigen Kleider in der Lavanderia ab und können sie 3 Stunden später frisch gewaschen und zusammengelegt wieder abholen. Während für uns gewaschen wird, streifen wir durch den Weihnachtsmarkt am Malecón, genehmigen uns einen Drink am Pier und freuen uns an der ausgelassenen Stimmung der Einheimischen.
Zu unserer Überraschung stehen am Morgen zwei grosse Kreuzfahrtschiffe nahe unserem Übernachtungsplatz am Hafen. Nein, die Passagiere wollen nicht auf den Weihnachtsmarkt, sie werden mit Bussen ins Valle de Guadalupe gefahren, zum Wein-Tasting. Jetzt wissen wir, warum da so viele pompöse Degustationspaläste stehen.

In grossen Tagesetappen fahren wir weiter südlich. In San Felipe nimmt Marcel das Angebot an, um mit einem Motor-Hängegleiterdelta einmal hoch über das Dorf und die Küste zu fliegen. Bei Papa Fernandez stehen wir auf einer Landbrücke hoch über zwei Buchten. Links und rechts fliegen die Pelikane in Formationen nur knapp über dem Wasser. Zum Flügelschlag müssen sie etwas anheben, um nicht mit den Flügel das Wasser zu streifen. Zum Fischfang fliegen die grossen, schweren Vögel höher (wohl damit die Fische sie nicht sehen) und stürzen sich dann mutig kopfüber in die Fluten. Aus Distanz sieht es aus, als ob sie vom Himmel fallen. Wer was gefangen hat bekommt umgehend Besuch von ein paar Möwen, die versuchen, etwas von der Beute zu erhaschen.

Zu sagen, dass Bahía de Los Angeles abgelegen ist, ist eine Untertreibung. Es gibt zwei Tankstellen, zwei „Restaurants“, keinen Mobilfunkempfang und eine malerische Vulkaninsel direkt vor der Küste, die Isla Coronado. 65 km durch schönste Sonora Wüste sind es von der Carretera Transpeninsular bis die Straße in einer Sackgasse endet. Noch einmal 15 km nördlich aus dem Dorf heraus endet eine Naturstrasse auf einer Landzunge im Naturschutzgebiet, dem langen Kiesstrand namens Playa La Gringa.
Die Strand ist atemberaubend schön. Da es sich um eine Bucht handelt ist das kristallklare Wasser ruhig. Pelikane und Möwen fliegen vorbei und fischen zusammen mit ein paar Loonies direkt vor unserer Haustür. Ab und zu tauchen zwei Seelöwen schnaubend in der Bucht. Einmal fliegt sogar ein Rochen in die Luft und landet platschend auf dem Wasser. Ein Paradies. Genau richtig für ein paar ruhige Weihnachtstage. Feliz Navidad, frohe Weihnachten.

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